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Wernecker Bierbrauerei überlebt Corona nicht

Inhaber Hans-Jörg Lang mit seinem Braumeister Stefan Reusch. Foto: Wiener

Auf einen erneuten Kampf auf allen Ebenen möchte sich Inhaberfamilie Land nicht mehr einlassen

Die Wernecker Bierbrauerei schließt zum 30. September nach über 400 Jahren ihre Pforten. In einem sehr emotionalen Abschiedsbrief teilte die Inhaberfamiklie Lang diesen Schritt nun der Öffentlichkeit mit, nachdem zunächste die 15 Mitarbeiter und einige weitere Kräfte über diesen Schritt informiert worden waren.

„Vielen Dank, dass wir die Ehre hatten dich in der 5. bzw. 6. Generation leiten zu dürfen. Nach mittlerweile über 400 Jahren deines Bestehens wissen wir, was das bedeutet. Viele, viele Brauereien der Region haben den Weg nicht bis hierher geschafft“, beginnt dieser Brief. Er geht auf die vielen Mitarbeiter ein, die „teilweise länger dabei sind, als Christine und Andreas auf der Welt“, gemeint sind die beiden Kinder Christine und Andreas, die als Nachfolger schon bereit standen. Die Geschäftsleitung legt Wert auf die Feststellung, dass auch in Krisen dafür gesorgt wurde, dass alle Mitarbeiter ihre Löhne erhalten, dass alle Lieferanten bezahlt werden und dass die Kunden ein gutes Produkt erhielten. In der Familie war die Brauerei immer präsent, „bei jedem Essen, bei jedem Gedanken. Du bist es, für die wir nicht nur die normale Arbeitszeit im Büro leisten, sondern für die wir auch immer Abend-und Wochenendtermine ermöglicht haben und für die wir immer wieder auf möglichst jede Veranstaltung und in jede Gaststätte gegangen sind“, heißt es in diesem Brief weiter. .Der Dank geht in diesem Zusammenhang auch an die Kunden, die über unzählige Jahre die Treue gehalten haben und die wussten, dass zu einer guten Geschäftsbeziehung immer Geben und Nehmen gehört.
Die Branche sei unheimlich hart geworden und die Gewinnmargen immer kleiner. Dennoch konnten in den letzten drei Jahren positive Betriebsergebnisse verzeichnet und somit weiter investiert und Mitarbeiterlöhne erhöht werden.

Doch nun kam auch noch das Coronavirus hinzu und es habe dafür gesorgt, dass alle Veranstaltungen, die anstehen – unter anderem auch außerordentlich viele große Zeltfeste – bereits abgesagt wurden oder vermutlich noch abgesagt werden. Zahlreiche Gastronomiebetriebe werden selbst nach einem Ende der Krise wohl nicht wieder öffnen. Konsumstau wie in manch anderer Branche gebe es bei Essen und Trinken nicht. Erhöhte Nachfrage nach einem Ende sei also nicht zu erwarten.
Einem erneuten Kampf möchte sich die Inhaberfamilie nicht mehr stellen, den sie sei müde. „Wir sind so unfassbar müde von den vielen Kämpfen der letzten Jahre. Du, liebe Brauerei, hast uns alles abverlangt im privaten und geschäftlichen Bereich. Wir als Familie sind mehr als nur einmal an unsere persönlichen Grenzen gekommen oder gar darüber hinaus“, teilt Familie Lang in ihrem Brief weiter mit.
Diese Entscheidung sei somit „die mit Abstand schwerste und tränenreichste Entscheidung ist, die wir jemals gefällt haben. Es bricht uns das Herz, aber wir haben uns entschieden, dass unsere Herausforderung nicht nur der Corona-Kampf an sich, sondern deine Betriebsauflösung sein wird“.

Nur so bestehe die Chance, diese Auflösung völlig frei von Banken und Insolvenzverwaltern zu führen. „Wir können dich, liebe Brauerei, ganz in Ruhe als Familie – so wie du es verdient hast- schließen“. Das operative Geschäft soll somit zum 30. September eingestellt werden. Derzeit gebe es noch viel Bier in Flaschen, Fässern und Tanks und „wir wünschen uns, dass dieses noch seinen Weg zu all den Freunden und Kunden findet und nicht in einem Abfluss landet“. Die GmbH&Co.KG an sich wird über das Datum hinaus noch länger existieren für die Abwicklung – das betriebsübliche Geschäft ist ab diesem Datum beendet.

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