vbw fordert von der Bundesregierung mehr Reformmut und bessere Standortbedingungen
Würzburg. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und zunehmender Belastungen durch hohe Kosten, Bürokratie und internationale Herausforderungen zeigen zahlreiche Unternehmen in Unterfranken, wie die Transformation erfolgreich gelingen kann. Das wurde bei einem Pressegespräch der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. deutlich, bei dem Unternehmensvertreter aus der Region über ihre Strategien für die Zukunft berichteten.
Im Mittelpunkt standen die großen Veränderungen, die Wirtschaft und Gesellschaft derzeit prägen: Dekarbonisierung, demografischer Wandel, De-Globalisierung und Digitalisierung. Nach Einschätzung der vbw verfügt Bayern grundsätzlich über gute Voraussetzungen, um diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern.
„Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zeigt, dass Bayern aufgrund seiner energieintensiven Industriestruktur und seiner starken internationalen Handelsverflechtungen besonders von der Transformation betroffen ist. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen, die Chancen dieser Entwicklung zu nutzen, im Freistaat besser als in vielen anderen Bundesländern“, erklärte Ines Sterling, Vorstandsvorsitzende der vbw-Bezirksgruppe Unterfranken.
Sorge vor De-Industrialisierung wächst
Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung äußerte die vbw jedoch deutliche Sorgen über eine zunehmende De-Industrialisierung. Rund ein Viertel der bayerischen Wertschöpfung wird im verarbeitenden Gewerbe erwirtschaftet. In Unterfranken liegt dieser Anteil aktuell bei 21,8 Prozent. Vor zehn Jahren waren es noch 25,5 Prozent.
Für Sterling ist die Industrie weiterhin das Rückgrat der regionalen Wirtschaft. Von ihrem Erfolg hingen nicht nur industrielle Arbeitsplätze, sondern auch zahlreiche Stellen im Dienstleistungssektor ab. Die wirtschaftlichen Verflechtungen innerhalb Bayerns seien eng und machten die Entwicklung der Industrie zu einem entscheidenden Standortfaktor.
„Die Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandorts hat in den vergangenen Jahren deutlich gelitten. Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten und immer mehr bürokratische Vorgaben schmälern die Gewinne der Unternehmen und reduzieren den Spielraum für Zukunftsinvestitionen“, so Sterling.
Unternehmen kritisieren zunehmende Bürokratie
Besonders kritisch sehen viele Unternehmen die Entwicklung bei Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren. Laut Unternehmensbefragungen in Unterfranken hat sich die Bewertung des sogenannten Verwaltungshandelns in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert.
Während die regionale Wirtschaft die Behördenarbeit im Jahr 2013 noch mit der Schulnote 3,3 bewertete, lag die Bewertung 2025 nur noch bei 4,3. Vor allem bürokratische Auflagen sowie langwierige Zulassungs- und Genehmigungsverfahren werden zunehmend als Belastung wahrgenommen.
Sterling fordert deshalb ein entschlosseneres Handeln der Politik: „Die Bundesregierung muss dringend die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessern. Wir erwarten einen klaren Reformwillen und die notwendige Durchsetzungskraft, um wichtige Gesetzesvorhaben und Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland umzusetzen.“
Besonders pikant erscheinen die bürokratischen Auflagen deshalb, weil ausländische Mitbewerber alle relevanten Kennzahlen eines Betriebes öffentlich zugänglich gemacht bekommen.
Erfolgreiche Beispiele aus Unterfranken
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen gibt es in Unterfranken zahlreiche Unternehmen, die den Wandel erfolgreich gestalten und neue Chancen nutzen.
Beim Pressegespräch berichteten unter anderem:
- Christian Scheller, Geschäftsführer der Bauteilprüfzentrum Scheller GmbH in Schweinfurt,
- Martin Büchs, Geschäftsführer der Jopp Holding GmbH in Bad Neustadt,
- Dr. Johannes Huber, CEO der Mainsite GmbH & Co. KG sowie der Kraftwerke Obernburg GmbH in Obernburg.
Die Unternehmen zeigten auf, wie Innovationen, Investitionen in neue Technologien und strategische Anpassungen dazu beitragen, die Herausforderungen der Transformation erfolgreich zu bewältigen. So berichtet Scheller, dass er sein Bauteileprüfzentrum in Richtung Defence öffnet und Aufträge in der EU generiert.
Der Viskosehersteller Enka seinerseits konnte die NASA gewinnen, um ihr Spaceshuttle mit Fasern für dessen Schutzschild auszustatten.
Das alles klingt zwar gut, kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass man die wegfallenden Umsätze der Vorjahre nur anteilig ausgleichen kann.
Transformation als Chance für den Wirtschaftsstandort
Die Beispiele aus Unterfranken verdeutlichen, dass die Transformation trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten erhebliche Chancen bietet. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Unternehmen auf verlässliche politische Rahmenbedingungen auch außerhalb Deutschlands angewiesen sind.
Die vbw sieht deshalb sowohl die Wirtschaft als auch die nationale wie supranationale Politik in der Verantwortung: Unternehmen müssen Innovationen vorantreiben, während Bund und Länder für wettbewerbsfähige Standortbedingungen sorgen müssen. Nur so könne Bayern seine starke industrielle Basis erhalten und die Transformation langfristig erfolgreich gestalten.

