Frauen führen in der Landwirtschaft noch immer selten einen Betrieb: Nur rund elf Prozent der Höfe liegen in weiblicher Hand. Eine dieser Betriebsleiterinnen ist Mareike Back aus Maibach. Beim Stallgespräch des Bayerischer Bauernverband (BBV), Kreisverband Schweinfurt, gab sie persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag und sprach offen über Chancen und Herausforderungen moderner Landwirtschaft.
Ein Familienbetrieb mit klarer Ausrichtung
Die Back Göbel GbR bewirtschaftet ihren Hof seit sechs Generationen. 2007 übernahm Stefan Göbel den Betrieb von seinen Eltern, seit 2024 führt er ihn gemeinsam mit seiner Tochter Mareike Back. Drei Generationen leben und arbeiten auf dem Hof, der zwei Familien ernährt und im Haupterwerb geführt wird.
Schon 2008 stellten sie den Betrieb auf ökologischen Landbau um. Den Schwerpunkt legen sie konsequent auf die Milchviehhaltung. Alle 108 Hektar Fläche dienen als Futtergrundlage für die Tiere. Mit ihrer Rinderhaltung nutzen sie das im Ökolandbau wichtige Kleegras sinnvoll in der Fruchtfolge und setzen damit konsequent auf Kreislaufwirtschaft.
Tierwohl, Technik und tägliche Arbeit
2014 bauten sie einen modernen Offenlaufstall, der Platz für 96 Tiere bietet. Derzeit stehen rund 80 Milchkühe im Stall. Zusätzlich betreuen sie etwa 15 Trockensteher. Diese Kühe melken sie sechs bis acht Wochen vor dem Kalben nicht mehr und geben ihnen Zeit zur Erholung in einer großzügigen Strohliegehalle.
Täglich melkt Mareike Back mit ihrem Team rund 1.600 Liter Milch. Einen Teil davon verwenden sie für die Kälberaufzucht. Eine automatische Melkanlage kommt bewusst nicht zum Einsatz. Stattdessen beginnt der Arbeitstag um 5.30 Uhr im Melkstand und endet meist gegen 18 Uhr. Von 5.30 bis 7.30 Uhr melken sie die Kühe, am Nachmittag ab 16 Uhr ein zweites Mal. Dazwischen kümmern sie sich um Fütterung, Stallarbeit, Feldarbeit und Bürokratie. Ein Auszubildender und ein Praktikant unterstützen sie dabei.
Bei der Kälberaufzucht setzt der Betrieb auf ein durchdachtes System. In der ersten Woche hält das Team die Kälber einzeln, anschließend ziehen jeweils zwei Tiere in eine Doppelbox um. Insgesamt erhalten die Kälber 16 Wochen Milch – deutlich länger als vielerorts üblich. Die männlichen Kälber verkauft der Betrieb nach vier Wochen weiter.
Neben der Lieferung an die heimische Molkerei setzt die Familie auf Direktvermarktung. Ein Milchautomat und ein Verkaufsautomat mit regionalem Sortiment bieten rund um die Uhr frische Produkte an. Andere Betriebszweige verfolgen sie nicht – der Fokus bleibt klar auf der Milchproduktion.
In den vergangenen Jahren investierte die Familie gezielt in moderne Technik. Mit einer Bolus-Technologie überwachen sie wichtige Gesundheitsdaten der Tiere und reagieren frühzeitig auf Veränderungen. Gleichzeitig wachsen jedoch die gesetzlichen Auflagen und gesellschaftlichen Erwartungen. Diese Entwicklungen erschweren langfristige Planung und sichere Investitionen zunehmend.
Weidepflicht und regionale Grenzen
Besonders intensiv diskutierten die Teilnehmer die EU-Öko-Verordnung 2018/848. Sie schreibt vor, dass Pflanzenfresser grundsätzlich Zugang zu Freigelände oder Weideland erhalten müssen – abhängig von Witterung und Bodenzustand.
Mareike Back schilderte die konkreten Herausforderungen vor Ort. In unmittelbarer Nähe zur Hofstelle verlaufen eine Autobahn und eine Umgehungsstraße, im Norden grenzt ein Naturschutzgebiet an. Große, zusammenhängende und zugleich sicher eingezäunte Weideflächen lassen sich dort kaum realisieren. „Zwar wurden Ende 2025 Entbürokratisierungsmaßnahmen für Ökobetriebe angestoßen, doch eine praxistaugliche Ausgestaltung der Weidevorgaben fehlt weiterhin“, betonte sie.
Frauen in der Landwirtschaft stärken
Mit Blick auf die Zukunft rückt die Rolle der Frauen stärker in den Fokus. Die Vereinten Nationen riefen 2026 zum „UN-Jahr der Landwirtin“ aus und würdigen damit die Leistungen von Frauen für Ernährungssicherung, Nachhaltigkeit und lebendige ländliche Räume.
Kreisbäuerin Barbara Göpfert sieht darin ein wichtiges Signal. In der Region stünden viele gut ausgebildete Frauen bereit, Verantwortung auf den Höfen zu übernehmen. Mit gezielten Beratungs- und Coachingangeboten könne man sie zusätzlich stärken. BBV-Kreisobmann Michael Reck betonte die Bedeutung der Hofnachfolge: Wenn mehr Frauen Betriebe führen, gewinnt die Landwirtschaft im Landkreis an Vielfalt und Zukunftsfähigkeit – vorausgesetzt, die Politik schafft verlässliche Rahmenbedingungen und baut Bürokratie ab.
Das Stallgespräch in Maibach zeigte deutlich: Landwirtschaft verlangt heute Fachwissen, Organisationstalent und Durchhaltevermögen. Mareike Back übernimmt Verantwortung, trifft Entscheidungen und gestaltet ihren Betrieb aktiv. Damit steht sie beispielhaft für eine neue Generation von Betriebsleiterinnen, die Tradition und Moderne selbstbewusst verbinden.

