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Stadtwerke sehen neues Stadtbussystem als richtigen und wichtigen Schritt in die Zukunft – Schweinfurt stellt den ÖPNV neu auf

Foto: Samuel Becker

Schweinfurt (red). Ein Jahr ist es nun her: Mit dem 1. Januar 2025 hat in Schweinfurt eine neue Ära des städtischen Nahverkehrs begonnen. Seit diesem Datum ist nach dem zeitgleichen Beitritt der Stadt Schweinfurt zum Nahverkehr Mainfranken das neue Stadtbusnetz in Betrieb. Gleichzeitig verunsichert die Neuordnung des Liniennetzes manche Fahrgäste: Wo sich für einige Wege verkürzt haben, sind andere nun länger unterwegs.

Die Stadtwerke betonen jedoch jenseits der emotional geführten Debatte, dass der umfassenden Umstellung eine jahrelange, gründliche Planung vorausging. Zudem eröffne sie Perspektiven für einen effizienteren, verlässlicheren und zeitgemäßen Nahverkehr in Schweinfurt und der gesamten Region Mainfranken.

Mobilität in der Region stärken

Bereits 2022 wurde von Stadt und Landkreis ein neuer Nahverkehrsplan in Auftrag gegeben. Ziel war es, die Mobilität in der Region an die Zukunftsanforderungen anzupassen und die Grundlagen für den neu gegründeten Nahverkehrsverbund Mainfranken (NVM) zu schaffen. Dieser Verbund soll Stadt und Umland stärker verzahnen und ein durchgängiges ÖPNV-Angebot mit einheitlichen Tarifen ermöglichen.

Die Bedeutung Schweinfurts sei dabei enorm: Mit rund 55.000 Einwohnerinnen und Einwohnern fungiere die Stadt als wirtschaftliches wie kulturelles Zentrum Mainfrankens. Der Hauptbahnhof verbindet die Stadt mit regionalen und überregionalen Zielen – etwa Würzburg – und das innerstädtische Busnetz sorgt für Mobilität auf kurzen Wegen. Seit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2025 sind nun auch die Buslinien des Landkreises auf das neue System abgestimmt, sodass eine dichter vernetzte Region entsteht.

Mit der vollständigen Digitalisierung des Ticketkaufs durch das System SWeasy möchte sich Schweinfurt endgültig von der „Kleingeldkramerei“ verabschieden. Zeitintensive Kassenprozesse beim Busfahrer, das Suchen nach Münzen oder Warten auf Wechselgeld gehören nach Ansicht der Stadtwerke nun der Vergangenheit an. Stattdessen genüge künftig ein Griff zum Smartphone oder zur Bankkarte: Display/Bankkarte an den Scanner halten – und losfahren. Die Preisberechnung erfolgt automatisch und basiert auf dem allgemein gültigen Verbundtarif.

Sternförmig vom Roßmarkt

Ein Vorteil, der auch ältere Fahrgäste nicht ausschließen soll, betonen die Stadtwerke. Kontaktloses Bezahlen werde sich in wenigen Jahren als Standard etablieren. Zudem entfällt die Notwendigkeit, vorab zu kalkulieren, welche Tickets oder Zonen am günstigsten sind. Das System ermittelt automatisch den korrekten Fahrpreis.

Ein wesentlicher Teil der Reform betrifft das Liniennetz. Die bisher sehr kurzen Einzellinien, die sternförmig vom Roßmarkt in die Stadtteile führten, wurden gebündelt. So sind nun beispielsweise die bisherigen Linien zum Bergl (11) und in den Deutschhof (52) in der neuen Linie 100 zusammengeführt. Das Prinzip: Mindestens zwei Ziele werden zu einer durchgehenden Linie verbunden – direkter, übersichtlicher, weniger Umstiege. Der Roßmarkt bleibt zentraler Knotenpunkt, wurde aber im Taktgefühl neu gedacht: montags bis freitags treffen dort alle Linien zeitgleich ein, wodurch schnelles Umsteigen gewährleistet ist. Für Gelegenheitsfahrer sowie Neu- und Bestandskunden wurde das System nach Auskunft der Stadtwerke insgesamt verständlicher gestaltet. klare Linienführungen, vereinheitlichte Takte, besser nachvollziehbare Strukturen.

Kürzere Umsteigeprozesse

Die erwarteten Vorteile wie bessere Pünktlichkeit oder mehr direkte Verbindungen zwischen den Stadtteilen werden außerdem betont. Die attraktiveren und kürzeren Umsteigeprozesse seien inzwischen von Fahrgästen bemerkt und anerkannt worden. Bei den Stadtwerken nimmt die positive Resonanz deshalb immer mehr zu.

Die Einführung von SWeasy und die Neuordnung des Stadtbusnetzes markieren einen tiefgreifenden Wandel im Schweinfurter ÖPNV. Die Kritik zeigt, dass jede Veränderung auch Verunsicherung auslösen kann – gerade dort, wo Gewohnheiten über Jahrzehnte gewachsen sind. Doch die langfristige Perspektive ist klar: ein moderner, vernetzter, pünktlicher und benutzerfreundlicher Nahverkehr. Dieser soll die Region Mainfranken stärken und den ÖPNV für eine digitale Zukunft rüsten.

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