Stadtgeschichte ist zentrales Thema Kein Schweinfurter Stadtmuseum? Verwaltung stoppt Pläne – Stadtrat blieb außen vor

Jahr für Jahr wurde ein Kulturforum am Martin-Luther-Platz aus Kostengründen auf die lange Bank geschoben. Auch mit einem Stadtmuseum an gleicher Stelle wird es – zumindest vorerst – nichts werden. Foto: Wiener

Schweinfurt (red). Stadtgeschichte ist zentrales Thema, doch Schweinfurt muss sparen – das ist weithin bekannt. Doch muss es ausgerechnet beim wichtigsten Kulturprojekt sein, fragt die SPD-Fraktion im Stadtrat. Nachdem bereits das kostenintensiv geplante „Kulturforum“ aufgegeben wurde, soll dies nun offensichtlich auch mit der Planung für die Wiedereröffnung des Stadtmuseums erfolgen. Dass diese Entscheidung ohne Einbeziehung des Stadtrats getroffen wurde, ist aus Sicht der SPD-Fraktion nicht hinnehmbar und bedürfe dringend einer öffentlichen Diskussion, schreibt die Fraktion in einer Presseaussendung .

Es sei befremdlich, dass Schweinfurt – im Gegensatz zu den meisten vergleichbaren Städten – künftig kein Stadtmuseum mehr betreiben soll. Ein solches Museum gehöre in nahezu jeder Stadt zu den ersten Anlaufpunkten für Besucher und ist ein zentraler Bestandteil kultureller Identität. Schweinfurt verfügt über zahlreiche bedeutende historische Exponate, die nun wohl dauerhaft in Depots verschwinden sollen, heißt es in der von Peter Hofmann und Ralf Hofmann unterzeichneten Erkärung.

Pragmatische Lösungen

Die von der Verwaltung angeführte angespannte Haushaltslage dürfe demnach nicht als alleinige Begründung dienen. Vielmehr stelle sich die Frage, warum nicht pragmatische Lösungen in Betracht gezogen werden – etwa die Nutzung des Untergeschosses der Kunsthalle für ein Stadtmuseum. Personal sei vorhanden und würde ohnehin für die Kunsthalle tätig sein, zusätzliche Kosten entstünden kaum. Gleichzeitig könnte die Kunsthalle von einer gemeinsamen Nutzung deutlich profitieren.

Eine solche Lösung wäre nachvollziehbar und würde Synergien schaffen. Stadtgeschichte ist ein zentrales Thema – für die Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für den Tourismus. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Historie stärke die Identifikation mit der Stadt, wie nicht zuletzt der große Zuspruch zum „Historischen Stammtisch“ zeigt.

Öffentliche Diskussion vermeiden 

Besonders irritierend sei zudem, dass die für den 16. Juli geplante Sitzung des Schul- und Kulturausschusses abgesagt wurde. Die mit der Begründung, es gäbe „nichts zu entscheiden“. „Offenkundig wollte man eine öffentliche Diskussion vermeiden und Vorhaben, die bislang von der Verwaltung selbst offensiv beworben wurden, stillschweigend zu den Akten legen“, so das Schreiben der SPD-Fraktion.

Den Stadtrat in dieser Form zu umgehen, ist aus Sicht der SPD-Fraktion nicht nur intransparent, sondern zeigt einmal mehr ein bedenkliches Grundverständnis im Umgang mit dem Stadtrat.

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