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Softair: Waffen oder Spielzeuge: Ein Interview mit der Polizei

Jugendlicher mit Airsoft

Waffe oder Spielzeug? (Foto:Klippel)

Der jüngste Vorfall mit Jugendlichen, die im Besitz einer täuschend echt aussehenden Waffen-Attrappe waren ist längst kein Einzelfall. Immer wieder kommt es bundesweit zu gefährlichen Situationen in der Öffentlichkeit durch Einsätze, bei deren Meldebild von echten Schusswaffen ausgegangen werden muss. Grund genug, für uns, dem Polizeioberkommissar Andy Laacke vom Polizeipräsidium Unterfranken (Präsidialbüro – Pressestelle/Social Media)                  ein paar Fragen zu stellen.
schweinfurterAnzeiger: Herr Laacke, Eltern sehen sicher nicht gerne, wenn das Kind plötzlich mit einem Softair-Spielzeug nach Hause kommt oder einer der Freunde sowas mitbringt. Was sind eigentlich Softair-Spielzeuge?

Andy Laacke: Auch wenn im Behördenjargon und in der Umgangssprache oft von „Softair“ die Rede ist, lautet die offizielle Bezeichnung für das „paintball-ähnliche“ Geländespiel richtigerweise „Airsoft“. Hierbei werden Kunststoffkugeln mit einem Durchmesser von 6 mm aus Kunststoffwaffen verschossen , die per Federdruckluft, Flongas oder Elektromechanisch auf eine Geschwindigkeit von ca. 80-150 m/s beschleunigt werden. Eine ASG (Airsoftgun) ist optisch einer ‚scharfen‘ Schusswaffe detailgetreu nachempfunden.

 

Ab wann wird aus einem Spielzeug eine Anscheinswaffe oder gar eine Waffe?

Das Waffengesetz unterscheidet Airsoftwaffen folgendermaßen:

  1. Waffen mit einer Geschossenergie kleiner als 0,08 Joule. Diese fallen nicht unter das Waffengesetz und gelten als Spielzeug.
    Sie dürfen überall benutzt werden, da sie meist aufgrund Über- oder Unterschreitung der Originalgröße um 50%, neonfarbene Materialien oder Kennzeichnungen nicht mit echten Waffen verwechselt werden können.
  2. Waffen mit einer Geschossenergie zwischen 0,09 und 0,49 Joule fallen ebenfalls nicht unter das Waffengesetz. Ausnahme hier ist der §42a WaffG, der das Führen von Anscheinswaffen verbietet. Als Anscheinswaffe gilt die Airsoft-Waffe, wenn sie einer ‚scharfen‘ Schusswaffe ähnlich sieht oder für eine solche gehalten werden kann.
    Das Führen und schießen, ist nur innerhalb der Wohnung oder eines umfriedeten Grundstücks erlaubt. Der Kauf und Besitz dieser Waffen ist auch Personen unter 18 Jahren gestattet. Der Handel hat sich allerdings für den Verkauf ein Mindestalter von 14 Jahren des Käufers auferlegt.
  3. Waffen mit einer Geschossenergie zwischen 0,5 und 7,5 Joule müssen mit einem F im Fünfeck gekennzeichnet sein, um Erlaubnisfrei zu sein.
    Das Führen und schießen, ist ebenfalls nur innerhalb der Wohnung oder eines befriedeten Grundstücks erlaubt, wenn sichergestellt ist, das das Geschoss, das Grundstück nicht verlassen kann! Der Kauf und Besitz dieser Waffen ist nur Personen ab 18 Jahren erlaubt. Der §42a WaffG greift hier ebenfalls.

Waffen mit einer höheren Geschossenergie oder ohne Prüfzeichen (F im Fünfeck) werden wie ‚scharfe‘ Schusswaffen kategorisiert und sind erlaubnispflichtig. Das heißt, für den Erwerb und Besitz benötigt man eine Waffenbesitzkarte, zum Führen der Waffe einen Waffenschein.

 

Was macht so ein Softair-Speilzeug so gefährlich? Welche Verletzungen sind möglich?

Man sollte hier zwei Gefährdungen unterscheiden. Für den Beschossenen besteht die Gefahr von Gesundheitsschädigungen. Neben auftretenden Hämatomen kann die Haut reißen oder platzen und Schmerzen hervorrufen. Trifft ein Plastikgeschoss ins Auge, kann es zu erheblicheren Verletzungen bis hin zur Erblindung führen.

Der Waffenführende begibt sich ebenfalls in Gefahr. Hinzugerufene Polizeikräfte müssen zunächst davon ausgehen, dass es sich bei der Waffe um eine ‚scharfe‘ Schusswaffe handelt und werden gegebenenfalls mit verschiedenen Einsatzmitteln, bis hin zur Schusswaffe, auf den Gefährder einwirken. Gerade Kinder und Jugendliche unterschätzen diesen Umstand und bringen sich und eingesetzte Polizeibeamte in grenzwertige Situationen.

 

Wenn man die Suchmaschinen mit dem Begriff „Softair-Waffe“ füttert, erhält man sofort zahlreiche Angebote. Zum Teil von Amazon, aber auch von Party-Direktversendern. Kommt tatsächlich jeder an solche Gegenstände oder gibt es Altersgrenzen?

Wie beschrieben, ist der generelle Erwerb von Airsoft-Waffen erlaubnisfrei. Je nach Beschaffenheit der Waffe gilt die Altersgrenze von 18 Jahren.

 

Wie sollten sich Eltern verhalten, wenn Sie nicht sicher sind, ob sie daheim im Kinderzimmer ein Spielzeug oder eine Waffe herumliegen haben?

Dank dem Gesetzgeber ist ein Spielzeug auch als solches zu erkennen. (siehe oben). Unterschiedliche Info-Broschüren helfen Eltern bei der Bestimmung und Eingruppierung der Airsoft-Waffen. Auch stehen Ansprechpartner bei den Ordnungsämtern und den Polizeiinspektionen zur Verfügung.

 

Was mache ich als besorgter Bürger, wenn ich sehe, dass Kinder oder Jugendliche mit einem waffenähnlichen Gegenstand umherlaufen? Darf man in der Öffentlichkeit derlei Objekte mitführen?

Anscheinswaffen in der Öffentlichkeit zu Führen ist gesetzlich verboten. Hier sollte generell die Polizei gerufen werden. Hierbei sollte aber bereits bei der Notrufmeldung vom Anrufer sensibel differenziert werden, ob es sich seiner Meinung nach um spielende Kinder handelt, oder um jugendliche oder erwachsene Einzelpersonen, die die Waffe eventuell gar drohend anderen Passanten vorhalten.

 

Herr Laacke, vielen Dank für die ausführlichen Antworten!

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