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So war die Bürgerversammlung der Stadt Schweinfurt

Keine schöne Aufgabe hatte Schweinfurts Finanzreferentin Dr. Anna Barbara Keck: Sie musste die finanzielle Situation der Stadt erläutern

Schweinfurt ringt um Stabilität: Genehmigter Sparhaushalt 2025, Kredite und Warnungen der Finanzreferentin

(ck) Schweinfurt. Nach Monaten des Kürzens und Neujustierens hat die Regierung von Unterfranken den Haushalt 2025 der Stadt Schweinfurt genehmigt – allerdings nur unter deutlichen Auflagen. Für die Verwaltung bedeutet das: Sparen bleibt Pflicht, neue Spielräume entstehen vorerst nicht. Hintergrund sind sinkende Einnahmen, ein strukturelles Defizit und teils deutlich gestiegene Projektkosten.

Bürgerversammlung: Klare Worte von Finanzreferentin Keck

Bei der gestrigen Bürgerversammlung stellten Finanzreferentin Dr. Anna Barbara Keck und OB Sebastian Remele die Lage ungeschminkt dar. „Wir haben aktuell keinen Spielraum für Investitionen“, warnte sie eindringlich. Viele Vorhaben stünden deshalb „auf dem Prüfstand“ – von Sanierungen bis hin zu kulturellen Projekten. Ziel sei es, die Kernaufgaben der Stadt zu sichern, während freiwillige Leistungen kritisch überprüft werden müssten. Auf Nachfrage aus dem Publikum versicherte die Referentin jedoch, dass man zumindest dieses Jahr noch die Vereine uneingeschränkt unterstützen würde. Auch das fiele unter die freiwilligen Aufgaben, die Strukturen des Ehrenamts müssten aber erhalten bleiben.

Keck betonte, dass die Genehmigung des Haushalts durch die Aufsichtsbehörde „nur unter strengen Bedingungen“ möglich war. Um Vertrauen zu sichern, sei daher absolute Haushaltsdisziplin gefragt. Die Finanzreferentin machte zugleich deutlich, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Engpass handelt, sondern um eine strukturelle Herausforderung, die Schweinfurt auch in den kommenden Jahren prägen werde.

40-Millionen-Loch, 20 Millionen sparen, 15 Millionen Kredit

Im laufenden Jahr schultert die Stadt ein Haushaltsloch von rund 40 Mio. Euro. Einem Ertrag von 262 Mio € steht ein Aufwand in Höhe von 303 Mio € gegenüber. Der Stadtrat will etwa 20 Mio. Euro über Einschnitte schließen; den verbleibenden Teil deckt eine Kreditaufnahme von 15 Mio. Euro ab. Diese Kreditlinie war Gegenstand intensiver Debatten seit Mai und wurde schließlich beschlossen.

Auflagen: Haushalt genehmigt – aber mit Bremse

Mit der Genehmigung machte die Aufsichtsbehörde unmissverständlich klar: Ausgaben sind eng zu führen; es gelten Haushaltsdisziplin und weitere Sparmaßnahmen. Die Stadt hat parallel eine Haushaltssperre verhängt bzw. angekündigt, um den Vollzug eng zu steuern.

Teure Projekte drücken zusätzlich

Druck kommt auch von Projekten mit Kostensteigerungen. So sollen aus dem 15-Mio.-Kredit u. a. Mehrkosten beim Theaterumbau sowie der Drittligatauglichkeit des Sachs-Stadions mitfinanziert werden. Beides belastet die Jahresplanung spürbar. Dennoch müsse zusätzlich im Bildung werden: Der Ganztagesausbau an den Grundschulen kostet noch 9,9 Mio €, Schule, Kita und Turnhalle Bellevue werden bei 35 Mio € liegen, die Digitalisierung der Städtischen Schulen wird bislang mit 8 Mio € veranschlagt.

Auch Infrastukturprojekte wurden vorgestellt. So wird die Sanierung der Tiefgarage am Wichtermannplatz 5 Mio € kosten, die Ereneuerung der Straßenbeleuchtung insgesamt 7 Mio €, um nur einige Projekte zu nennen.

Der Rotstift im Detail

Um die Lücke zu schließen, hat die Stadt ein Paket mit Kürzungen, Verschiebungen und Streichungen geschnürt. Betroffen sind freiwillige Leistungen, Investitionen und Zuschüsse – jeweils mit Priorisierungen, um Pflichtaufgaben zu sichern. Bereits im Mai skizzierte die Verwaltung Einsparpfade von knapp 20 Mio. Euro; seither wurden Maßnahmen konkretisiert und nachgeschärft. Angekündigt wurden auch Kürzungen im Straßenunterhalt und Gebäudeunterhalt. Perspektivisch wird es zukünftig weiniger Planstellen im Rathaus geben, ergänzt um eine Wiederbesetzungssperre

Einnahmeseite: Hebesätze hoch, Basis bröckelt

Schweinfurt liegt bei den kommunalen Realsteuern traditionell relativ hoch (Grundsteuer B 385 %, Gewerbesteuer 370 %). Im bundesweiten Vergleich unterstreicht die DIHK-Umfrage, dass Durchschnittsheb­sätze zuletzt weiter stiegen – was zeigt, wie sehr Kommunen generell an der Steuerschraube drehen. In Schweinfurt reicht das allein jedoch nicht, weil die Bemessungsgrundlage (v. a. Gewerbeertrag) schwankt. Dennoch kündigte Keck an, zu prüfen, ob man die Hebesätze noch weiter erhöhen könne.

Blick nach vorn: 2026 wird nicht leichter

Die Stadt will ab 2026 keine neuen Kredite aufnehmen. Das heißt: Erneut zweistellige Millionenbeträge sparen, sofern sich die Ertragslage nicht kräftig verbessert. Damit bleibt der finanzielle Korridor eng – neue Projekte sind nur mit Gegenfinanzierung oder über Drittmittel realistisch.


Zahlen & Fakten (Auswahl)

  • Haushaltslücke 2025: ca. 35 Mio. €.

  • Geplante Einsparungen 2025: ca. 20 Mio. €.

  • Kredit 2025: 15 Mio. € (beschlossen), Haushalt genehmigt mit Auflagen.

  • Hebesätze Schweinfurt: Grundsteuer B 385 %, Gewerbesteuer 370 %.

  • Bundesweite Tendenz: Durchschnittliche Hebesätze 2024 erneut gestiegen.

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