Lohr am Main. Ausgerechnet in der Schneewittchenstadt Lohr hat eine 42-jährige Frau am Mittwochmittag mit einem Hammer auf einen Schneewittchenzwerg aus Beton eingeschlagen. Als eine Passantin eingreifen wollte, wurde sie verletzt. Die Polizei nahm die Frau in Gewahrsam.
Nach Angaben der Polizei ereignete sich der Vorfall gegen 11.50 Uhr in der Hauptstraße. Die 42-jährige Deutsche schlug dort mit einem Hammer auf mehrere Gartenzwerge aus Beton ein. Eine 82-jährige Passantin wollte die Frau von der Tat abhalten. Dabei kam es zu einem Gerangel, in dessen Verlauf die Seniorin stürzte und sich eine Platzwunde am Kopf zuzog.
Auch ein 37-jähriger Mann griff ein und versuchte, die Frau festzuhalten. Dabei biss sie ihm in einen Finger. Beamte der Polizei Lohr nahmen die Frau schließlich in Gewahrsam. Die verletzte 82-Jährige wurde vom Rettungsdienst zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.
Die Polizei Karlstadt ermittelt nun unter anderem wegen des Verdachts der Körperverletzung und Bedrohung. Da sich die 42-Jährige nach Einschätzung der Beamten offenbar in einer psychischen Ausnahmesituation befand, wurde sie nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen in einem Bezirkskrankenhaus untergebracht.
Warum Lohr die Schneewittchenstadt ist
Der Vorfall sorgt auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil Lohr am Main bundesweit als „Schneewittchenstadt“ bekannt ist. Die Stadt vermarktet sich seit vielen Jahren mit der Theorie, dass Maria Sophia von Erthal, die im Lohrer Schloss lebte, als historische Vorlage für das Märchen der Brüder Grimm gedient haben könnte. Als Hinweise gelten unter anderem der berühmte „sprechende Spiegel“ aus dem Schloss sowie verschiedene Bezüge zum Spessart. Die These ist jedoch unter Historikern umstritten und wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
Das „Horrorwittchen“ spaltet bis heute die Gemüter
Für Schlagzeilen sorgte Lohr bereits vor einigen Jahren mit seiner modernen Schneewittchen-Figur. Die rund drei Meter hohe Bronzeplastik des Künstlers Peter Wittstadt wurde 2013 als neue Symbolfigur der Stadt vorgestellt. Wegen ihres kantigen und ungewöhnlichen Erscheinungsbildes erhielt sie in der Bevölkerung schnell den Spitznamen „Horrorwittchen“.

Besonders umstritten waren die Kosten der Skulptur. Während zunächst von rund 20.000 Euro ausgegangen worden war, beliefen sich die Gesamtkosten für Entwurf, Bronzeguss und Aufstellung schließlich auf etwa 110.000 Euro. Trotz heftiger Diskussionen entschied sich der Stadtrat für die Umsetzung.
Mittlerweile gehört das „Horrorwittchen“ selbst zur Geschichte der Schneewittchenstadt. Ein Graffiti eines Lohrer Schülers, das die Figur mit einem Messer auf der Jagd nach den sieben Zwergen zeigt, entwickelte sich zum Kultmotiv und wird heute sogar auf Souvenirs vermarktet.

