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SAZ-Interview mit Sennfelds Bürgermeister Oliver Schulze – „Absage der Kirm war die Hiobsbotschaft“

Sennfelds Bürgermeister Oliver Schulze. Foto: Valtin

Sennfelds Bürgermeister Oliver Schulze. Foto: Valtin

Sennfeld (eva). So langsam kehrt wieder die Normalität im Alltag der Stadt- und Gemeindeverwaltungen ein. Im Gespräch mit Sennfelds Bürgermeister Oliver Schulze wirft er einen Blick zurück auf den Arbeitsalltag während der Corona-Hochphase und er spricht über die künftigen Auswirkungen.

SAZ: Herr Schulze, als Bürgermeister sind Sie besonders gefordert, auch wenn die Entwicklung auch für Sie völlig neu ist. Wie sehr waren die Einwohner ihrer Gemeinde von der Pandemie betroffen?

Oliver Schulze:  In unserer Gemeinde lagen die Infektionszahlen im zweistelligen Bereich und wie anderen Ortes auch hat sich auch bei uns die Lage wieder sehr beruhigt. Ich bin in erster Linie sehr froh, dass es keine schweren Erkrankungen mit dem Virus gegeben hat. Alle betroffenen Personen sind genesen.“

SAZ: Hat das Virus die Menschen in der Gemeinde enger zusammengeführt?

Oliver Schulze: „Das kann man wohl so sagen. Die Bürger haben sich vorbildlich verhalten. Seitens der Gemeinde haben wir eine Notfallbörse eingerichtet, für die sich bereits in der ersten Woche über 60 freiwillige Helfer gemeldet hatten. Von der Notfallbörse wurde jedoch kaum Gebrauch gemacht, da meist die Angehörigen oder Freunde die Erkrankten oder Hilfsbedürftigen unterstützt haben.“

SAZ: Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf die öffentlichen Einrichtungen?

Oliver Schulze: „Ab dem Lockdown waren alle öffentlichen Einrichtungen geschlossen. Nunmehr beginnt eine langsame Öffnung. Das Rathaus hat wieder geöffnet und auch die Freizeiteinrichtungen können größtenteils wieder genutzt werden. Der Badesee und die Sport- und Freizeitanlage sind, bei Einhaltung der hygienischen Vorschriften, wieder benutzbar. Das Hallenbad wollen wir bald möglichst öffnen. Im kulturellen Bereich werden ebenso zaghafte Schritte unternommen um in die Normalität zurückzukehren.“

SAZ: Besonders hart wird wohl nicht nur Sie, sondern die Gesamtbevölkerung die Absage der Kirchweih getroffen haben?

Oliver Schulze: „Als Bürgermeister die Kirm absagen zu müssen, das ist eine Hiobsbotschaft ersten Ranges. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann die Kirm letztmalig abgesagt werden musste. Doppelt schwer hat den Volkstrachtenverein auch die Absage des Oktoberfestes getroffen. Die „Semflder“ waren in diesem Jahr wieder zum Festzug eingeladen worden. Es ist aber nicht nur die Kirm, die in diesem Jahr ausfällt. Auch das Grenzsteinfest und das Erntedankfest entfallen. Ob, und in welcher Form ein Weihnachtsmarkt stattfinden kann, das kann ich heute noch nicht definitiv sagen.“

SAZ: Wenn man auf ihre bisherige Amtszeit zurückblickt, kann man Sie da „Katastrophen-Bürgermeister“ nennen?

Oliver Schulze (lacht): Das Wort hat schon was. Ich habe in meiner bislang zweijährigen Amtszeit wohl mehr Katastrophen meistern müssen, als meine beiden Vorgänger in ihrer jahrzehntelangen Amtszeit. Das begann mit dem Bombenfunden im See, dann kam der Starkregen und nun Corona. Vielleicht war es ein Wink mit dem Zaunpfahl das mein erstes Bürgermeister-Seminar eines über Katastrophenbewältigung war. Ich hoffe, dass es eine Zeit nach Corona geben wird, die dann keine weiteren derartigen Überraschungen bereit hält. Einmal reicht es ja wohl.“

SAZ: Wie wird Sennfeld in den kommenden Monaten mit einem hoffentlich dauerhaft abgeschwächten Corona-Virus umgehen?

Oliver Schulze: „Es wird viel davon abhängen, ob es zu den viel beschriebenen weiteren „Wellen“ kommt. Wir lernen derzeit noch und versuchen das bestmögliche daraus zu machen. In dieser Lernphase sind wir sicher alle enger zusammen gerückt, was und auch gestärkt hat. Sicher treffen auch uns die finanziellen Folgen der Krise. Die Steuereinnahmen werden rückläufig sein. Da aber in der Vergangenheit gut gewirtschaftet wurde sind wir gut aufgestellt. Vorausschauend haben wir den Haushalt erst im Juni verabschiedet, so konnten wir ihn in Ansätzen reduzieren. Straßensanierung, Bauhof konnten aus Rücklagen bezahlt werden und was die Planungsphase der Schule angeht, auch hier sind die Kosten überschaubar. Was wir vorerst zurückstellen müssen, ist das geplante neue Gewerbegebiet.“

SAZ: Sennfeld und der Tourismus. Wohin geht hier die Reise?

Oliver Schulze: „Im Verbund der Mainbogengemeinden setzen wir natürlich auch auf den Tourismus. Gerade Corona hat gezeigt, Urlaub in Deutschland ist wieder gefragt. Was uns entgegenkommt ist der zunehmende Fahrradtourismus. Wir haben sechs neue E-Ladestationen gekauft um die Nachfrage der E-Biker zu decken. Mit der Mainkanzel, dem Besinnungsweg oder dem Gemüsepavillion bieten wir den Gästen einige Highlights. In den Fluren wurden neue Sitzgruppen aufgebaut und unsere Gästeführungen wurden ausgebaut. Gastronomisch sind wir ebenfalls sehr breit aufgestellt, was uns hier fehlt ist ein Interessent für die Gaststätte in der Sport- und Freizeitanlage. Und, sollte es zum Neubau des Hotels an der Grenze zwischen Schweinfurt und Sennfeld kommen, dann wäre dies ein weiteres Plus für die Gemeinde. M

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