Proteste in Schweinfurt: Über 5.000 Beschäftigte demonstrierten gegen Stellenabbau bei ZF und SKF

Bei ZF und SKF wurde am 29.7.2025 demonstriert. (Foto: Christian Klippel)

Schweinfurt – Tausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Metall- und Elektroindustrie protestieren gegen den drohenden Stellenabbau bei den Industriekonzernen ZF Friedrichshafen und SKF. Die Kundgebungen in der unterfränkischen Stadt zeigen deutlich: Die Sorge um Arbeitsplätze ist groß. Allein bei ZF versammelten sich laut Polizei bis zu 4.500 Demonstrierende, bei SKF rund 850.

Hintergrund: ZF plant massiven Stellenabbau

Das Management von ZF plant laut Betriebsrat tiefgreifende Sparmaßnahmen. Konzernchef Holger Klein kündigte an, bis Ende 2028 bis zu 14.000 Arbeitsplätze in Deutschland zu streichen – das entspricht etwa einem Viertel der ZF-Belegschaft hierzulande. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf Schweinfurt, sondern auch auf weiteren Standorten in Bayern und dem restlichen Bundesgebiet.

Allein am Stammsitz in Friedrichshafen demonstrierten rund 6.000 Beschäftigte, wie Gesamtbetriebsratsvorsitzender Achim Dietrich bestätigte. Bei Betriebsversammlungen vor zwei Wochen wurden laut Arbeitnehmervertretung erste Einschnitte vorgestellt – inklusive drohender betriebsbedingter Kündigungen und Forderungen nach Gehaltsverzicht.

Unsicherheit in der „E-Division“ bei ZF

Besonders betroffen ist in Schweinfurt die sogenannte „E-Division“, in der etwa 5.500 der insgesamt 8.500 ZF-Mitarbeitenden arbeiten. Diese Sparte umfasst elektrische, hybride und konventionelle Antriebstechnologien. Es besteht die Befürchtung, dass ZF die E-Division verkaufen oder externe Investoren ins Boot holen könnte.

Wie viele Konkurrenten leidet ZF unter sinkenden Aufträgen aus der Automobilbranche und hohen Investitionskosten für den Wandel zur Elektromobilität. Im vergangenen Geschäftsjahr verzeichnete das Unternehmen über eine Milliarde Euro Verlust. Um gegenzusteuern, prüft der Konzern den Verkauf oder Börsengang einzelner Geschäftsbereiche.

Weitere Proteste an ZF-Standorten in Bayern

Neben Schweinfurt fanden auch an anderen bayerischen ZF-Standorten wie Nürnberg, Auerbach, Thyrnau und Bayreuth Protestaktionen statt. Die IG Metall ruft zur Geschlossenheit auf und warnt vor sozialen Einschnitten in der gesamten Region.

Stellenabbau auch bei SKF in Schweinfurt

Auch beim Wälzlagerhersteller SKF in Schweinfurt wächst die Angst vor weiteren Jobverlusten. Zwar sind aktuell nur knapp 140 Stellen vom Abbau betroffen – über Altersteilzeit und Abfindungen verteilt auf drei Jahre. Doch die Belegschaft schrumpfte laut Betriebsrat Norbert Völkl bereits in den letzten Jahren von 4.000 auf rund 3.300 Mitarbeitende.

Langfristig könnten nur noch 2.000 Arbeitsplätze übrig bleiben, sollte ein Werk verlagert werden. Die IG Metall fordert deshalb eine Beschäftigungsgarantie für mindestens 3.000 Stellen, um die Zukunft des Standorts zu sichern.

SKF prüft Standortoptimierung bis 2030

Laut SKF befindet sich die Planung zur Zukunft des Standorts noch in einer frühen Konzeptphase. Ziel sei es, die Fixkosten zu senken und veraltete Strukturen am Standort zu modernisieren. Der Planungshorizont reiche bis ins Jahr 2030 und darüber hinaus.

Die IG Metall warnt jedoch eindringlich vor langfristigen Arbeitsplatzverlusten. Ein Schrumpfen der Betriebe in Schweinfurt würde nicht nur die Mitarbeiter direkt treffen, sondern hätte auch negative Auswirkungen auf die gesamte Region.

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