OB-Wahl: Denkzettel für die Vergangenheit und Hoffnung für die Zukunft – Kommentar von SAZ-Redaktionsleiter Daniel Wiener

Während der Auszählung wurde die Enttäuschung bei der CSU (hier Stefan Funk) immer größer. Foto: Valtin

„Der Esel bekommt die Schläge, aber der Bauer ist gemeint“, lautet ein altes Sprichwort.

Bei der Oberbürgermeisterwahl hat der unterlegene CSU-Kandidat Oliver Schulte die Schläge der Wähler abbekommen, die eigentlich für den nicht mehr angetretenen Sebastian Remelé bestimmt waren. Dabei ist dem scheidenden Oberbürgermeister tragischerweise gar nicht einmal so viel anzulasten, was zum Abwärtstrend in Schweinfurt beigetragen hat. Den Leerstand in der Stadtgalerie hat er ebenso wenig zu verantworten wie den Arbeitsplatzabbau in der Industrie. Auch die in seine Amtszeit fallenden Ereignisse, wie der Abzug der US-Amerikaner, die Schließung vieler Traditionsgeschäfte in der Innenstadt oder das Aus für das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld, konnte er nicht beeinflussen. Das „Stadtbild“ wird ebenfalls durch äußere Faktoren rund um Asylverfahren und Ankerzentrum geprägt sowie durch die lange Gastarbeitertradition aus besseren Zeiten der Industrie.

Noch OB-Remelé zu oft als passiv wahrgenommen

Zu spät erkannt hat Remelé jedoch die Undurchführbarkeit der Landesgartenschau. Dass die Rettung des St.-Josefs-Krankenhauses auf einmal doch möglich war, nachdem sich ein anderer – Stefan Labus – darum gekümmert hatte, wurde dem CSU-Oberbürgermeister von vielen verübelt. Auch das schnelle Bekenntnis, dass die Maxbrücke erst nach vollständigem Abriss an gleicher Stelle neu gebaut werden kann, kam nicht gut an. In diese Zeit fielen dann auch noch die Hiobsbotschaften des sich ständig verteuernden Theaterumbaus, was die Zahl der Minuspunkte weiter erhöhte.

Dass Remelé im Vergleich zu seiner kreativen und anpackenden Vorgängerin und Mentorin Gudrun Grieser schlechter abschnitt, lag in erster Linie jedoch schlichtweg an den leeren Kassen. Leere Kassen, die einen anfangs ins Gespräch gebrachten SPD-Kandidaten Stefan Rottmann schnell zum Abwinken bewegten. Dieser gab unumwunden zu, in Schweinfurt aus diesem Grund nicht die Schaffenskraft entwickeln zu können wie in seiner Heimatgemeinde Schonungen.

Beeindruckende und stimmige Veranstaltungen

Der neue Oberbürgermeister Ralf Hofmann ließ sich davon nicht abschrecken. Als erfolgreicher Event-Manager hat er in den vergangenen 30 Jahren bewiesen, dass die Dinge, die er anpackt, Hand und Fuß haben. Er hat den richtigen Riecher für Erfolg – und genau den wünschen sich nun auch die Schweinfurterinnen und Schweinfurter. Wer die Honky-Tonks ebenso besucht hat wie die Stadtfeste der vergangenen Jahre, hat beeindruckende und stimmige Veranstaltungen erlebt. Veranstaltungen, die insbesondere auch junge Leute ansprechen, obwohl Hofmann im Wahlkampf eher staatsmännisch und gediegen auftrat. Auch hier bewies er den besseren Instinkt als Oliver Schulte, der auf ein jugendlich-frisches Auftreten setzte und damit zu wenige Wählerinnen und Wähler überzeugen konnte.

Wenn Hofmann weiterhin den richtigen Riecher und das richtige Händchen hat, kann es mit Schweinfurt nur wieder bergauf gehen.

Kommentar von SAZ-Redaktionsleister Daniel Wiener

Alle Fotos: Erich Valtin

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