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Nabi findet seinen Traumjob

Nabi liebt es, mit seinem ehemaligen Ausbilder und Chef Johannes Öchnser, Blühflächen zu pflegen. Bild: Jürgen Keller

Evangelische Jugendhilfe unterstützt junge Geflüchtete während ihrer Lehrzeit

Nabi musste nicht lange nach einem Platz in einem Ausbildungsbetrieb suchen. „Ich schrieb nur eine Bewerbung“, erzählt der 21-Jährige aus Afghanistan. Die ging an den Fachbereich Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim. Dort hatte er 2015 ein zweiwöchiges Praktikum abgeleistet – mit tollem Erfolg. „Die Bewerbung für den Ausbildungsplatz war dann reine Formsache“, sagt sein Chef Johannes Öchsner.

Nabi konnte in der LWG zwischen zwei Optionen wählen: Sowohl die Obstbauer als auch die Garten- und Landschaftsbauer hätten ihn als Praktikanten genommen. „Doch die Berufsperspektiven sind im Garten- und Landschaftsbau wesentlich besser, da in der Branche dringend Fachkräfte gesucht werden“, schildert Öchsner. Das überzeugte Nabi. Obwohl er sich anfangs nichts Konkretes unter „Garten- und Landschaftsbau“ vorstellen konnte, ließ er sich 2015 auf das Praktikum und 2016 auf die Lehre ein. Im Sommer schloss der Jugendliche, der in Afghanistan insgesamt nur zwei Jahre lang zur Schule ging, die Ausbildung mit Note zwei ab.
Während seiner Qualifizierung zum Facharbeiter im Garten- und Landschaftsbau stand Judith Aßländer vom Fachbereich „Berufliche Bildung“ der Ev. Jugendhilfe (EJ) Nabi zur Seite. Für einen jungen Menschen aus einem anderen Land ist es nicht einfach, das duale Ausbildungssystem zu begreifen, sagt sie. Ein geflüchteter Jugendlicher hat zusätzliche Probleme. Zum einen müsse eine Menge Bürokratie bewältigt werden: „Nabi erfuhr außerdem während der Ausbildung, dass er nicht als Asylbewerber anerkannt wird.“ Das habe ihn seelisch enorm belastet.
Sprachlich und wissensmäßig hatte er anfangs großen Nachholbedarf. Deshalb erhielt er dreimal in der Woche Nachhilfeunterricht. Das war hart gewesen, schildert der junge Mann, der seit 1. Oktober einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei der LWG hat: „Ich stand um 5 Uhr auf, fuhr zur Ausbildung, arbeitete bis 17 Uhr und hatte dann manchmal bis 20 Uhr Unterricht.“ Doch Nabi hielt durch. Denn der Beruf des Garten- und Landschaftsbauers, der ihm zunächst völlig fremd war, faszinierte ihn inzwischen. GaLaBau-Fachkräfte pflegen nämlich nicht nur Pflanzen: „Wir pflastern auch Wege und mauern.“ Letzteres macht Nabi besonders gern.
Die Ausbildung eines Geflüchteten erfolgt nicht ganz nach bewährtem Rezept. Man muss ein bisschen erfinderisch sein, meint Johannes Öchsner, der fast jedes Jahr einen Jugendlichen in die Geheimnisse des Garten- und Landschaftsbaus einweiht. Nabi zum Beispiel lernte in den ersten Monaten mit einem Bilderbuch, das der bayerische GaLaBau-Verband eigens für Azubis mit Fluchthintergrund entwickelt hat. In diesem Buch sind wichtige Arbeitsgeräte wie ein Presslufthammer oder ein Minibagger abgebildet. Über eine App ist es möglich, sich die darunter stehenden deutschen Wörter mit Hilfe der Handy-Sprachausgabe vorlesen zu lassen.
Dass die Stadt Würzburg Jugendhilfe nicht nur für Minderjährige finanziert, kam Nabi zugute. „Wir durften ihn bis zu seinem 21. Lebensjahr begleiten“, so Aßländer. Würzburg sei hier im Vergleich zu vielen anderen Kommunen in Bayern vorbildlich. Die Unterstützung über das 18. Lebensjahr hinaus ist Aßländer zufolge aber auch häufig notwendig. Wird sie nicht geleistet, kann es zu Ausbildungsabbrüchen kommen. Zum Beispiel wegen psychischer Probleme, die auf Traumatisierungen durch Krisen und Krieg im Heimatland oder durch die Flucht zurückgehen. Oder wegen kultureller Missverständnisse: „Bei denen wir vermitteln.“
Wieder zurück nach Afghanistan zu müssen, wäre sehr schlimm für Nabi. Aus politischen Gründen floh er mit zwölf Jahren in den Iran, von dort aus flüchtete er mit 16 nach Deutschland. Seine Bleibeperspektive ist trotz seiner Ablehnung als Asylbewerber gut, sagt Aßländer. Aktuell fällt er unter die „3+2-Regelung“, die besagt, dass ein Geflüchteter während der dreijährigen Ausbildung sowie im Anschluss zwei weitere Berufsjahre geschützt ist. In zwei Jahren, hofft die Mitarbeiterin der Evangelischen Jugendhilfe, wird womöglich das geplante Fachkräftegesetz in Kraft sein: „Dadurch könnte Nabi eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erhalten.“
Öchsner möchte auf Karimi nicht mehr verzichten, denn der leistet hervorragende Arbeit, schwärmt der GaLaBau-Meister. Auch von der Evangelischen Jugendhilfe gibt es ein dickes Lob für das, was Nabi seit seiner Ankunft in Deutschland geleistet hat. Aßländer: „Er schaffte in nur eineinhalb Jahren den Mittelschulabschluss, nun hat er eine so erfolgreiche Ausbildung absolviert.“ Rund 50 junge Geflüchtete wurden seit 2014 in Ausbildung gebracht. Viele stecken aktuell noch in der Lehre. Mit Nabi haben bislang zehn Teenager die Lehre erfolgreich beendet.

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