Schweinfurt (red). Im heutigen Redaktionsgespräch stellt sich Thomas Felsner vor – Oberbürgermeisterkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) in Schweinfurt. Der 1981 geborene Maschinenbauingenieur ist Professor für Fahrzeugtechnik und Maschinenbau an der THWS in Schweinfurt. Gebürtig aus Dorsten, am Übergang zum Münsterland, führte ihn sein Studium des Maschinenbaus nach Clausthal-Zellerfeld, später zur Promotion nach München, die er 2011 abschloss. Seit 2017 lebt und arbeitet Felsner in Schweinfurt. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
Pauschale Verurteilungen wenig sinnvoll
In Schweinfurt sei er „nirgendwo so richtig angeeckt“, erzählt Felsner auf die Frage, was ihm als „Zugezogenen“ zu einer Kandidatur bewog. Vor Unterfranken sei er zwar „gewarnt“ worden, diese Vorbehalte habe er persönlich jedoch nie so wahrgenommen. Wie übrigens jetzt auch nicht, wo er für eine vom Verfassungsschutz beobachtete Partei kandidiere. Grundsätzlich gelte für ihn: Wenn er in der Sache überzeugt sei, spiele es für ihn keine Rolle, was über ihn gesagt oder geschrieben werde. Medien sieht er nicht als Feinde, sondern als Gesprächspartner. Pauschale Verurteilungen hält er für wenig intelligent. Vielmehr stelle er bei seinen Überlegungen bewusst die Frage, ob nicht auch der andere Recht haben könnte.
Der Wähler ist der Souverän
Für Felsner ist klar: Der Wähler ist der Souverän – nicht die Regierung. Er beobachtet eine wachsende Ablehnung staatlicher Bevormundung in der Bevölkerung. Zur AfD fand er gegen Ende der Corona-Zeit. Bei der Parteigründung 2013 sei sie an ihm vorbeigegangen. Erst ab 2015, mit der damaligen Aussage „Wir schaffen das“ der Bundeskanzlerin, sei er stutzig geworden. Für ihn habe das Konzept nicht schlüssig gewirkt. Menschen über tausende Kilometer zu Fuß wandern zu lassen, sei gefährlich und sinnlos, zumal es viele sichere Länder auf dem Weg gegeben habe, in denen Hilfe hätte geleistet werden können. Humanitäre Nothilfe müsse seiner Ansicht nach stärker heimatnah ansetzen. Auch die gefährlichen Überfahrten in Schlauchbooten lehnt er als zu gefährlich klar ab. Aber: Asyl stehe politisch Verfolgten zu, nicht jedoch subsidiär Verfolgten. Ein weiteres prägendes Jahr für ihn war 2020 mit der Corona-Pandemie. Auch hier sieht er staatliches Handeln kritisch hinterfragt. Jetzt komme scheibchenweise heraus, was die AfD schon damals mutmaßte.
Charmanter Vorschlag
Kommunalpolitisch äußert sich Felsner unter anderem zur Maxbrücke. Den Vorschlag der Freien Wähler bezeichnet er als charmant, jedoch nicht weitgehend und scharf genug. Der Denkmalschutz stehe aus seiner Sicht oft im Weg notwendiger Entwicklungen – ein Problem, das sich auch beim Theaterbau gezeigt habe und dort zu erheblichen Verteuerungen geführt habe. Grundsätzlich stellt er die provokante Frage: Dient ein Denkmal den Bürgern – oder dienen die Bürger dem Denkmal? Für ihn ist entscheidend, was in einem Gebäude stattfindet, nicht primär die Fassade. Kultur definiert er über Inhalte, nicht über äußere Hüllen: Wie bei den schlichten Reclam-Heftchen seiner Schulzeit, deren Wert im Inhalt lag, nicht im Einband. Wenn ein Denkmal den Alltag der Bürger behindere, müsse man über Versetzen oder Aufheben des Schutzes nachdenken – natürlich abhängig vom tatsächlichen Stellenwert.
Zur Entwicklung der Innenstadt zeigt sich Felsner realistisch. Das Internet existiere seit 25 Jahren, und solange es keinen großflächigen Stromausfall gebe, werde sich der Trend nicht umkehren lassen. Lieferdienste müssten akzeptiert werden. Chancen sieht er vor allem im Tourismus und bei Dienstleistungen wie Arztpraxen. Belebung sei nicht allein Aufgabe der Politik, sondern liege auch bei Vermietern und Kunden. Eine mögliche Leerstandsabgabe hält er für diskussionswürdig. Die Stadtgalerie bewertet er nüchtern: Das Konzept sei in vielen Städten gescheitert und habe oft Innenstadt und Einkaufszentrum gleichermaßen geschwächt – „das Schlechteste aus zwei Welten“. Da sie jedoch auf private Initiative zurückgehe, sehe er hier keinen direkten Handlungsauftrag für die Stadt.
Genauer Blick auf die Kriminalitätszahlen
Beim Thema Sicherheit fordert Felsner einen genauen Blick auf die Kriminalitätszahlen und deren Transparenz. Polizeieinsatz hält er grundsätzlich für richtig, ebenso Videoüberwachung – auch wenn diese meist nur nachträglich helfe. Entscheidend sei Präsenz vor Ort und eine konsequente, niederschwellige Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten. Kleinkriminalität müsse konsequent geahndet werden, um größere Delikte abzuschrecken. „Die Wahrheit ist wie Wasser“, sagt er, „sie findet jede Lücke und bahnt sich ihren Weg.“ Offener Drogenverkauf dürfe sich erst gar nicht etablieren.
Wirtschaftlich denkt Felsner mehrgleisig. Industriearbeitsplätze könnten nur durch andere Industriearbeitsplätze ersetzt werden – kleine Betriebe allein könnten das nicht leisten. Gewerbesteuererhöhungen sieht er kritisch und hätte diese so nicht umgesetzt. Solche Schritte müssten vorher mit den betroffenen Konzernen abgestimmt werden, um die Reaktionen einschätzen zu können. Auch die Erhöhung der Parkgebühren zur Innenstadtbelebung hält er für falsch – es müsse eher günstiger werden. Persönlich fährt er selbst bei Wind und Wetter Fahrrad und empfindet Schweinfurt als vergleichsweise entspannt, wenn auch nicht optimal fahrradfreundlich. Im Vergleich zu München sei das Radfahren hier aber deutlich angenehmer. In seiner Garage steht zudem ein E-Fahrzeug.
Das Konversionsgelände müsse sinnvoll genutzt werden. Eine sogenannte Gigafactory klinge zwar gut, werde aber realistisch betrachtet eher eine „Mini-Factory“ sein und niemals im großen Stil Indus–triearbeitsplätze ersetzen. Chancen sieht er in den verfügbaren Flächen, etwa in Ledward, sowie in möglichen Behördenverlagerungen. Das größte Pfund Schweinfurts sei der vorhandene Raum – dafür müsse man aktiv bei Industrievorständen „Klinken putzen“.
Abschließend bewertet Felsner die Oberbürgermeisterwahl positiv: Acht unterschiedliche Persönlichkeiten stünden zur Wahl, was zeige, dass die Bevölkerung wieder politischer denke und unterschiedliche Lösungsansätze zulasse. Sollte er gewählt werden, sieht er sich als jemand, der für Entschleunigung steht. „Einen Gang runterschalten, erst einmal anhalten – und dann wieder gemeinsam Lösungen suchen.“

