Miete als bevorzugte Wohnform in Schweinfurt

Nicht einmal jeder Dritte Schweinfurter lebt in den eigenen vier Wänden. Dabei ist der Wunsch von vielen jungen Familien groß (Symbolbild). Symbolfoto: Victoria Borodinowa/pixabay

Wohneigentum: Deutschland bleibt ein Mieterland

Schweinfurt (red). Bei der Wohneigentumsquote liegt Deutschland im europaweiten Vergleich auf dem vorletzten Platz. Deutschland ist damit ein Land der Mieter – und das wirkt sich auf viele gesellschaftliche Bereiche aus. In Schweinfurt gibt es rund 8.800 Wohnungen, in denen keine Miete gezahlt wird, weil die Eigentümer sie selbst nutzen. 43 Prozent dieser Menschen leben in einer Eigentumswohnung. Das zeigt eine regionale Wohnungsmarkt-Analyse, die das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt hat.

Schweinfurt unter dem Bundesdurchschnitt

Die Wissenschaftler ermittelten für Schweinfurt eine Wohneigentumsquote von 31,1 Prozent. Bundesweit liegt sie bei 43,5 Prozent. „Die eigenen vier Wände stehen bei vielen Menschen weiterhin ganz oben auf der Wunschliste. Aber gerade die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.

Junge Generation besonders betroffen

Rund 11.000 Menschen dieser Altersgruppe leben derzeit in Schweinfurt. Immer mehr von ihnen müssen dauerhaft zur Miete wohnen. „Gerade Jobstarter und Familiengründer zählen zur typischen Zielgruppe für Wohnungskauf und Hausbau. Doch die ‚Nestbauer-Generation‘ ist inzwischen zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, so Matthias Günther.

Eigentum als Entlastung für den Mietmarkt

Die Probleme sind seit Langem bekannt. Eine höhere Eigentumsquote könnte den angespannten Mietmarkt entlasten – auch wenn in Schweinfurt derzeit ein eher ausgewogenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage besteht. Besonders im Rentenalter sorgt mietfreies Wohnen für finanzielle Entlastung.

Forderung nach staatlicher Unterstützung

Fachverbände und die Bauwirtschaft fordern gezielte staatliche Maßnahmen, um die Eigentumsquote zu erhöhen. Katharina Metzger, Vizepräsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel, kritisiert: „Der Bund hat die Eigenheimzulage und später das Baukindergeld abgeschafft – damit wurde die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch beendet.“ Stattdessen brauche es direkte Zuschüsse, die auch Durchschnittsverdienern in Schweinfurt den Erwerb von Wohneigentum ermöglichen. Zusätzlich sei ein Niedrigzinsprogramm notwendig.

Hohe Hürden auf dem Weg zum Eigentum

Metzger betont aber auch: „Wer Wohneigentum erwerben will, muss über viele Jahre erhebliche Abstriche machen. Dafür lebt man dann jahrzehntelang in den eigenen vier Wänden und zahlt keine Miete mehr.“

Förderung muss einfach und verlässlich sein

Die staatliche Förderung dürfe kein „kompliziertes Bürokratiemonster“ werden. Der Baustoff-Fachhandel und der Dachverband der Mauerstein-Industrie verfolgen hier ein gemeinsames Ziel: Der Staat soll Startkapital und zinsgünstige Kredite schnell und unbürokratisch bereitstellen, fordert Hannes Zapf, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM).

Zudem müsse der Bund seine Unterstützung langfristig garantieren. „Wer heute beginnt, für ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu sparen, muss sich auch in drei, fünf oder sieben Jahren noch auf feste Zusagen verlassen können“, so Zapf.

Appell an die Politik

Katharina Metzger richtet einen klaren Appell an die Bundestagsabgeordneten von CSU und SPD aus Schweinfurt und Bayern: „Im Koalitionsvertrag steht eindeutig, dass Wohneigentum gefördert werden soll. Aber wann, wenn nicht jetzt?“ Solange keine Unterstützung komme, bleibe der Traum vom Eigenheim für viele unerreichbar.

Wohneigentum als Schutz vor Altersarmut

Wohneigentum gewinnt besonders im Alter an Bedeutung. „Es ist eine Art bewohnbare Rente – ein Stück ‚Rente in Stein‘“, erklärt Hannes Zapf. Vor allem die Baby-Boomer gehen nun nach und nach in Rente und verfügen über weniger Einkommen. Gleichzeitig bleiben die Mieten hoch oder steigen weiter. „Immer mehr Neu-Rentner können sich ihre Wohnung nicht mehr leisten – sie wohnen sich arm“, sagt Matthias Günther. Für ihn steht fest: „Wohnarmut im Alter ist vor allem Mieterarmut.“ Eigentümer kommen finanziell deutlich besser über die Runden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert