Vor über 200 Jahren sammelte Freiherr Truchsess von Wetzhausen, der sogenannte „Kirschenchristian“, rund 440 Kirschsorten rund um Bundorf (Landkreis Haßberge). Nach seinem Tod 1826 verfiel die Sammlung, doch alte Kirschbestände an den Hängen der Haßberge lassen vermuten, dass Nachkommen dieser Sorten bis heute existieren.
Seit 2019 sucht der Landkreis Schweinfurt unter der Leitung von Kreisfachberaterin Brigitte Goss gezielt nach historischen Kirschsorten. In Oberlauringen wurde dabei die robuste und geschmackvolle Süßkirsche „Große Braune“ entdeckt, vermehrt und 2022 an Gemeinden und Vereine verschenkt. Parallel führte die Naturschutzbehörde des Landkreises Haßberge unter der Leitung von Robert Lauer ein Kirschen-Erfassungsprojekt durch. Die Expertin Dr. Braun-Lüllemann dokumentierte unter 477 untersuchten Bäumen 52 unterschiedliche Sorten, von denen rund 80 % als gefährdet gelten.
Um die Vielfalt zu erhalten, initiierte der Landkreis Schweinfurt im Herbst 2025 die zweite Kirschbaum-Verschenk-Aktion. Über 60 Bäume, darunter 28 verschiedene Sorten, wurden an Gemeinden sowie Obst- und Gartenbauvereine verteilt. Der offizielle Auftakt der Aktion fand in Maibach (Gemeinde Poppenhausen) gemeinsam mit Landrat Florian Töpper, Brigitte Goss und Erstem Bürgermeister Ludwig Nätscher statt.
Die regionale Obstbaumschule Weiglein in Geesdorf unterstützte die Aktion maßgeblich, indem sie seltene und regionale Kirschsorten vermehrte. Auch außerhalb der Aktion stehen weiterhin Kirschenraritäten zur Verfügung, die über das Förderprogramm „Streuobst für alle“ des Landratsamtes Schweinfurt bezogen werden können.
Ziel der Initiative ist es, alte Sorten wie „Großrote“, „Haumüllers Zottel“ oder „Bamberger Rote“ zu bewahren, ihre Geschmacksvielfalt zu erhalten und ihre Widerstandskraft gegenüber den klimatischen Bedingungen der Zukunft zu prüfen. Landrat Töpper und Brigitte Goss bedankten sich bei allen Beteiligten für ihren Beitrag zum Erhalt der regionalen Obstvielfalt.

