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Hohe Qualität entschädigt für kleinste Ernte seit 35 Jahren

Präsentation der Bilanz zur Weinlese 2020 im Weingut Juliusspital. Foto: Rudi Merkl.

Unterfranken (rm). Nur wenige Wochen nach der offiziellen Eröffnung der fränkischen Weinlese in Sommerhausen (Lkr. Würzburg) durch die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer zog der Fränkische Weinbauverband kürzlich Bilanz. Gemeinsam mit Dr. Matthias Mend von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Beate Leopold vom Weinbauring Franken und dem Chefoenologen des Bezirks Unterfranken Hermann Mengler präsentierte Weinbaupräsident Artur Steinmann im Würzburger Weingut Juliusspital erste Fakten und Zahlen zum Weinjahr 2020 und stellte auch schon die ersten Jungweine vor.

Steinmann sprach von einem absolut launischen Weinjahr, das die rund 3500 fränkischen Winzerinnen und Winzer 2020 erleben mussten. Lokale Spätfröste am 12. Mai führten dazu, dass mancherorts, wie z.B. an der Mainschleife oder im Steigerwald bis zu 80 Prozent der Reben geschädigt wurden. Verrieselungen, hervorgerufen durch kühle Temperaturen während der Blütezeit, und der dritte trockene Sommer in Folge führten zur kleinsten Erntemenge seit 35 Jahren.

„Der Klimawandel ist bei uns ganz klar angekommen. Dieses Jahr haben die lokalen Spätfröste zu immensen Einzelschicksalen bei den Winzern geführt“, schildert Weinbaupräsident Artur Steinmann die Lage. Doch der Klimawandel habe auch seine guten Seiten: „Es zeigt sich wieder einmal mehr – der Silvaner ist der Sieger des Klimawandels. Wir erzeugen großartige Weine und eine sehr gute Qualität. Man kann wirklich sagen, es gibt künftig keine schlechten Weine mehr in Franken“, bringt es Steinmann auf den Punkt.

Geschmacklich profitieren die Reben auf jeden Fall von den kühlen und milden Temperaturen. Der insgesamt kühle Jahrgang mit nur wenigen Hitzetagen von über 30 Grad Celsius sorgt für ausgeprägte Aromen und eine angenehme Säure. Schon jetzt beweisen die Jungweine, so Hermann Mengler, Leiter der Kellereifachberatung beim Bezirk Unterfranken, eine sehr gute Aromenausprägung und hohe Stilsicherheit. Sie sind belebend, filigran mit minziger Note und gut strukturiert.

Die aktuelle Ertragsrebfläche Frankens beläuft sich auf 6.061 ha (Stand: 31.08.2020). Für das Jahr 2020 gehen die Experten von einer Weinernte in Höhe von durchschnittlich etwa 44 hl/ha – also insgesamt ca. 267.000 hl – aus. Das durchschnittliche Mostgewicht beträgt 88 Grad Öchsle.

Alles in allem dürfte die hohe Qualität der 2020er Jahrgangs aber zumindest ein Stück weit für das launige Weinjahr und die Einbußen bei der Erntemenge entschädigen, so der Weinbaupräsident.

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