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Hilfsorganisationen warnten vergebens: Israel bestreitet Hungersnot in Gaza

Kinder unter fünf Jahren sind bei Mangelernährung in Lebensgefahr (Archivbild)Abed Rahim Khatib/dpa

Hungersnot in Gaza ausgerufen – Israel droht mit Zerstörung.

Israel bereitet eine großangelegte Offensive auf die Stadt Gaza vor. Währenddessen bestätigt die UN, dass in dem Gebiet mit rund einer Million Menschen ein weiteres „Albtraum-Szenario“ Realität geworden ist.

Monatelang hatten Hilfsorganisationen gewarnt, nun ist es offiziell: Die international maßgebliche IPC-Initiative zur Bewertung von Ernährungssicherheit hat in Gaza-Stadt und umliegenden Gebieten eine Hungersnot festgestellt. Israels Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, man werde die Stadt zerstören, falls die Hamas nicht auf zentrale Forderungen eingehe – darunter die Freilassung aller Geiseln. Vor Beginn der Offensive will Israel die nördliche Bevölkerung Gazas umquartieren.

„Das Albtraum-Szenario ist eingetreten“

Mit diesen Worten reagierte UN-Sprecher Jeremy Laurence in Genf auf die IPC-Erklärung. Das israelische Außenministerium wies die Einschätzung jedoch zurück: „Es gibt keine Hungersnot in Gaza.“

Der betroffene Bezirk umfasst etwa ein Fünftel des Gazastreifens. Vor Kriegsbeginn lebten dort rund 750.000 Menschen. Laut IPC sind derzeit 132.000 Kinder unter fünf Jahren durch akute Unterernährung gefährdet – doppelt so viele wie noch im Mai. Insgesamt seien über 500.000 Menschen im Gazastreifen „katastrophalen Bedingungen“ ausgesetzt, geprägt von Hunger, extremer Armut und Todesfällen.

Auch die WHO spricht von einer historischen Zäsur: Erstmals sei im Nahen Osten offiziell eine Hungersnot ausgerufen worden. Bis Ende September könne sich die Lage auf weitere Regionen ausweiten.

Kritik an Israel und Gegenwehr

UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher erklärte: „Wir hätten die Hungersnot verhindern können, wenn wir nicht systematisch blockiert worden wären.“ Lebensmittel stapelten sich an den Grenzen, sagte er, und warf Israel vor, Hunger gezielt als Kriegswaffe einzusetzen. Israel weist diese Vorwürfe entschieden zurück und beschuldigt die UN, Hilfslieferungen nicht verteilt zu haben.

Das Außenministerium in Jerusalem bezeichnete die IPC-Daten als „unzuverlässig“ und von Hamas-Angaben beeinflusst. Zudem ignoriere der Bericht israelische Bemühungen zur Stabilisierung der humanitären Lage. Israel wirft Hamas und bewaffneten Gruppen im Gazastreifen vor, Hilfsgüter zu horten und nicht an Zivilisten weiterzugeben.

Deutschland beteiligte sich im August an Luftbrücken für Lebensmittelabwürfe. Israel und die USA unterstützen die „Gaza Humanitarian Foundation“, die unter militärischem Schutz Hilfsgüter verteilt. Dabei kam es nach Augenzeugenberichten mehrfach zu tödlichen Zwischenfällen.

Wie Hungersnot definiert wird

Nach der IPC-Skala gilt die höchste Stufe 5 – „Katastrophe/Hungersnot“. Sie liegt vor, wenn mindestens 20 Prozent der Haushalte unter extremem Nahrungsmangel leiden, 30 Prozent der Kinder akut mangelernährt sind und täglich mindestens zwei Erwachsene oder vier Kinder pro 10.000 Einwohner sterben. Diese Kriterien seien in Gaza erfüllt, bestätigte das Welternährungsprogramm.

Seit ihrer Gründung 2004 hat die IPC-Initiative bisher vier Hungersnöte festgestellt – in Somalia (2011), im Südsudan (2017, 2020) und im Sudan (2024).

Israels Pläne für Gaza

Verteidigungsminister Katz drohte, die Stadt Gaza „wie Rafah und Beit Hanun“ in Schutt und Asche zu legen, falls die Hamas die israelischen Bedingungen nicht akzeptiere. Dazu gehören die Freilassung aller Geiseln und die Entwaffnung der Islamisten, Letzteres lehnt Hamas strikt ab.

Die Einsatzpläne der Armee wurden laut Katz bereits genehmigt. Sie sehen auch die Umsiedlung von etwa einer Million Menschen vor. Beobachter warnen, dass sich die ohnehin dramatische humanitäre Lage dadurch weiter verschärfen könnte.

Berichten zufolge konzentrieren sich israelische Angriffe derzeit auf den Stadtrand. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete über 20 Todesopfer, unabhängig bestätigen ließ sich dies bislang nicht.

Von Christiane Oelrich und Cindy Riechau, dpa, (Durch Red. mit KI gekürzt)

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