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Redaktionsgespräch mit Ralf Hofmann: „Ich will Oberbürgermeister werden“

Im Redaktionsgespräch erläuterte Ralf Hofmann seine Visionen als Oberbürgermeisterkandidat für die Kommunalwahlen am 8. März.. Foto: Marc Hanson

Gespür für gesellschaftliche Trends – Ralf Hofmann will Oberbürgermeister werden – OB-Kandidat

Schweinfurt (red). „Einfach wird es nicht – ganz gleich, wer Oberbürgermeister wird“, sagt Ralf Hofmann. Der 57-Jährige tritt am 8. März für die SPD zur Wahl an und stellt sich mit Tatkraft und Ideenreichtum den großen Herausforderungen der Stadt. Genau darin sieht er den Reiz des Amtes: „Es braucht kreative Konzepte, ein gutes Gespür und vor allem die Entschlossenheit, Dinge umzusetzen.“

Seine Eignung für das Amt sieht Hofmann nicht nur in seiner langjährigen kommunalpolitischen Erfahrung begründet, sondern in seiner großen Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit. Bereits 1993 zeigte er Gespür für gesellschaftliche Trends. Da rief er die bis heute bundesweit etablierten Honky-Tonk-Festivals ins Leben. Ein Kneipenfestivalkonzept nicht für mit Veranstaltungen überladene Großstädte, sondern für kleinere und mittlere Städte wie Schweinfurt, wo es (fast) überall ein großer Erfolg wurde.

Die erste große Wirtschaftskrise

Auch wenn heute andere die Organisation übernehmen, ist für Hofmann klar:  Solche Projekte zeigen, dass es darauf ankommt, zum richtigen Zeitpunkt mutige Akzente zu setzen – so wie damals, inmitten der ersten großen Wirtschaftskrise der Stadt.

Heute stehen weitaus komplexere Themen im Raum: die Maxbrücke, das Kulturforum, die Konversion oder die Leerstände in der Innenstadt – die Liste ist lang. Für keine diese Herausforderungen gebe es einen „Masterplan“, so Ralf Hofmann. Vielmehr brauche es intensive Gespräche – vor allem mit jenen, die sich bislang nicht gehört fühlen. „Zuhören darf nie nur aus Höflichkeit geschehen, sondern muss immer mit der Offenheit einhergehen, dass das Gegenüber recht haben könnte“, betont er.

Nur so entstehe ein Ideenpool, aus dem tragfähige Lösungen erwachsen können. Ein Beispiel ist die Maxbrücke. Lange plädierte Hofmann für eine Verlängerung der Rüfferstraße in Richtung Hafen, erkennt inzwischen aber auch die Schwächen dieses Ansatzes. Alternative Vorschläge müssten ebenso ernsthaft geprüft und ausgearbeitet werden. Für ihn steht fest: „Ein mehr als zweijähriger Komplettausfall dieser wichtigen Verkehrsverbindung ist keine Option.“ Und auch wenn Eingriffe in die Natur nötig würden, sei es unter dem Strich immer noch nachhaltiger, als wenn täglich 20.000 Autos zehn Kilometer Umweg fahren müssten. Ihm ist aber bewusst: „Es wird nie eine Lösung geben, die allen gerecht wird.“ 

Innovationsbereite Unternehmen

Beim Thema Industrie zeigt sich Hofmann kämpferisch: Der Negativtrend müsse gestoppt werden. „Schweinfurt ist gut aufgestellt – mit einer starken Facharbeiterschaft, engagierten Betriebsräten und Entscheidungsträgern vor Ort, die häufig mehr Einfluss auf die Konzernzentralen haben, als gemeinhin angenommen wird.“ Darüber hinaus gelte es, neue Bündnisse in Schweinfurt zu schmieden – mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus der Stadtgesellschaft, innovationsbereiten Unternehmen und politischen Akteuren über Parteigrenzen hinweg. Denn: „Die Gewerbesteuereinnahmen müssen dringend wieder steigen.“

Ein zentraler Baustein ist für Hofmann der Ausbau Schweinfurts als Technologie-Standort. Die aktuelle Industriepolitik, so seine Kritik, gefährde nicht nur Arbeitsplätze in der Produktion, sondern auch Forschung und Entwicklung, die zunehmend aus Schweinfurt abwanderten. Auf dem Gelände der Ledward Barracks sieht er Potenzial – sowohl für die THWS-Erweiterung als auch für das neue Ausbildungszentrum der Handwerkskammer. Einen Seitenhieb in Richtung Staatsregierung kann er sich nicht verkneifen: Die von Ministerpräsident Söder versprochenen Millionen seien „heiße Luft“ gewesen. Dabei habe die Entwicklung in Schweinfurt großen Einfluss auf die gesamte Region Main-Rhön. 

Stillstand herrscht unterdessen beim Kulturforum und bei der Rückertbau-Sanierung am Martin-Luther-Platz. Hofmann bleibt realistisch: „Es wäre unseriös, da jetzt große Versprechungen zu machen.“ Eine vorübergehende, kostengünstige optische Aufwertung sei jedoch nötig. Langfristig halte er ein Stadtmuseum zwar für notwendig, aber die Gesamtkonzeption müsse stärker als bisher auf eine notwendige Belebung der Innenstadt gerichtet sein.  Diese will Hofmann mit Konzepten verbinden, die auch dem Klimaschutz dienen. Grüne Oasen und Plätze zum Verweilen sollen die Menschen zum Austausch einladen. Dass Schweinfurt heute unter einer zu kleinen Stadtfläche leidet, sei eine Spätfolge der Gebietsreform. Großflächige „grüne Lungen“ seien deshalb schwer zu realisieren.

Die Änderungen beim Stadtbusverkehr verteidigt Hofmann. Der Verkehrsverbund Main-Rhön, die neue Linienführung und das neue Bezahlsystem seien jedoch drei tiefgreifende Neuerungen, die viele Menschen überfordert haben, weil sie schlicht nicht ausreichend vorbereitet waren. „Entscheidend wäre zudem gewesen, die Bürgerinnen und Bürger in der Kommunikation deutlich besser mitzunehmen. Das war sicher nicht gut“, so Ralf Hofmann.

Fester Teil der Stadtgesellschaft

Beim Thema Migration unterscheidet Hofmann klar: Viele Migrantinnen und Migranten seien längst ein fester Teil der Stadtgesellschaft und empfinden sich als „echte Schweinfurter“. Dagegen bringe das überlastete Ankerzentrum problematische Auswirkungen mit sich, die sich im Sicherheitsgefühl der Bürger niederschlagen. „Beides darf nicht miteinander vermischt oder gegeneinander ausgespielt werden“, warnt er jedoch.

Auch die Entwicklung zur Radfahrerstadt sieht Hofmann als langfristige Aufgabe. Das aktuelle Radwegenetz sei noch zu lückenhaft. Wichtig sei, dass alle Maßnahmen mit den Bürgerinnen und Bürgern abgestimmt würden: „Übereilte oder übergestülpte Lösungen stoßen auf Ablehnung.“ Für die Umsetzung all dieser Themen will Hofmann nun eine Stadtratsliste zusammenstellen, die ein breites gesellschaftliches Spektrum abbildet. „Alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten sollen vertreten sein. Was sie mitbringen müssen? Die Bereitschaft, sich für Schweinfurt zu engagieren – und das nötige Know-how.“

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