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Forstexperte Peter Wohlleben in seinem neuesten Bauch – Nicht nur der Klimawandel ist schuld

Förster und Buchautor sieht eine ganze Reihe anderer Ursachen neben dem Klimawandel, die für das Waldsterben verantwortlich sind. Foto: Wohlleben

Förster und Buchautor sieht eine ganze Reihe anderer Ursachen neben dem Klimawandel, die für das Waldsterben verantwortlich sind. Foto: Wohlleben

Dem Wald geht es offensichtlich schlecht und Schuld daran sei der Klimawandel wird immer wieder kolportiert. Vor diesem Hintergrund gibt es ein gewisses Verständnis in der Bevölkerung für eine Co2-Steuer, mit der die für den Klimawandel verantwortlichen Treibhausgase verringert werden sollen – allerdings nur in Deutschland. Diese Sichtweise sei zu einfach findet hingegen Bestsellerautor Peter Wohlleben. In seinem neuesten Buch „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“ beschreibt der berufsmäßige Förster, dass eine ganze Reihe an hausgemachten Fehlplanungen Mitschuld an der heutigen Misere seien.

Auf Nachfrage dieser Zeitung stellt er zunächst einmal fest, dass überwiegend Nadelbaumplantagen betroffen sind. Dort wachsen Baumarten wie Fichten und Kiefern, die eigentlich kühles und feuchtes Klima brauchen. Das herrscht im hohen Norden oder im Gebirge, wo sie ursprünglich beheimatet sind. Hier bei uns sei es ihnen grundsätzlich zu warm; sie leiden und können sich entkräftet kaum gegen Insektenattacken wehren. Schon vor den Dürresommern fielen daher rund 60% aller Fichten „Katastrophen“ wie Borkenkäfer oder Sturm zum Opfer. Zudem werden die Böden mit schwersten Erntemaschinen regelrecht platt gefahren und speichern daher kaum noch Wasser. Das verschlimmert die Folgen der Dürre extrem.

Wohlleben kritisiert zudem die Handlungen der Verantwortlichen, die weiterhin auf die Aufforstung mittels Plantagen setzen.  Zudem werde weiterhin den Nadelbäumen das Wort geredet, „angereichert mit einem Feigenblatt aus Laubbäumen, damit das ganze einen ökologischen Anstrich bekommt“, sagt der Förster.

Dabei sei die Lösung ganz einfach: Tote Nadelbäume sollten im Wald als wertvolle Ausgangsbasis für neuen Humus bleiben, der viel Wasser speichert. Zudem werfen auch tote Bäume Schatten für nachwachsende Jungbäume. Lediglich frisch befallene, lebende Fichten und Kiefern sollten entnommen werden, um eine weitere Ausbreitung der Borkenkäfer zu verhindern (diese gehen nämlich nicht in abgestorbene Bäume). Die Pflanzung kann die Natur über Samenflug erledigen – dann wächst nämlich genau das nach, was auf dem jeweiligen Boden und im aktuellen Klima am besten passt.

Neue, angeblich klimaresistente Baumsorten hält Wohlleben für Unfug, denn es sei ein Roulettespiel. „Klimawandel heißt ja nicht, dass es nie mehr kalte Winter gibt. Es reicht, wenn es alle 20 Jahre einmal minus 15°c wird, und dann die Neuimporte erfrieren“. Dagegen sei die Palette heimischer Laubbäume noch lange nicht ausgeschöpft. Neben der Buche kann die Eiche, die Hainbuche oder auch der Feldahorn gut mit wärmerem Wetter zurechtkommen. Entscheidend sei, den Wald dabei weitestgehend in Ruhe zu lassen. Dann kann er sich nämlich durchschnittlich um bis zu 10°C im Sommer herunterkühlen, und zwar durch Verdunstung von Wasser über die Blätter. Intakte Wälder schaffen sich ihr eigenes Klima. „Nur wenn wir ständig mit der Motorsäge pflegen, klappt das nicht. Mehr Zurückhaltung heißt also das Geheimrezept der Natur“, so der Buchautor abschließend.

Alle seine Thesen hat er in seinem neuesten Buch „Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“ detaillierter beschrieben.

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