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Es kann nicht nur die Rentabilität zählen

CSU-Ortsverband Oberwerrn: Filialschließung ohne soziale Rücksichtnahme

Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge unterliegt dem Regionalprinzip. Dabei berücksichtigt sie die wirtschaftlichen und GESELLSCHAFTLICHEN Verhältnisse in der Region.“ So zitiert Michael Theiss, Ortsvorsitzender der CSU Oberwerrn, den Deutschen Nachhaltigkeitskodex 2018 der Sparkasse SW-Haßberge. Weiter: „Bei ihren Kunden und bei der regionalen Bevölkerung genießt die Sparkasse eine besondere Vertrauensstellung. …. stellt den individuellen Kundenbedarf in den Mittelpunkt, … ist ihren Kunden NAHE…“ Weit gefehlt! Durch die Schließung der Sparkassenfilialen wirkt diese Festlegung wie eine Ironie.

Im Oberwerrner Gemeindeteil mit ca. 2.300 Einwohnern ist das Argument der Rentabilität nicht nachzuvollziehen. Die Filiale wird stark frequentiert, auch von Bürgern umliegender Gemeinden.

In der Begründung der Sparkasse zur „strategische Ausrichtung“ wurde die verstärkte Nachfrage am digitalen Service und Zahlungsverkehr genannt. Beim Vergleich der Gebühren mit anderen Online-Banken stellt sich dann doch die Frage, ob man weiterhin Kunde bei der Sparkasse bleiben sollte. Ein Ansprechpartner ist nicht einmal mehr tageweise vor Ort, Geldabhebungen erhält man an jedwedem Geldautomaten, Kontoauszüge kann man sich von allen Banken bequem zuhause ausdrucken.

Vor allem jedoch geht mit der Schließung der Oberwerrner Filiale ein tiefer Eingriff in die Selbstständigkeit unserer älteren Bürger/innen einher“, so Theiss. „Jahrelang waren sie stolz darauf, Kunde der (Kreis-) Sparkasse zu sein, ihre Bankgeschäfte noch selbst am Schalter regeln zu können. Gerade in heiklen Dingen wie Geldangelegenheiten wollen Sie ihre Selbstständigkeit behalten. Alles vorbei. Nicht einmal Bargeld können sie sich selbst holen. Es müssen Kinder, Enkel oder Bekannte gefragt werden, die hierdurch wiederum einen zusätzlichen Zeitaufwand haben. Auch ein sog. Bürgerbus löst das Problem nicht, denn dieser fährt nur zu bestimmten Zeiten“.

Gleichwohl nutzt auch die jüngere Bevölkerungsschicht die Dienste der Sparkasse, insbesondere Geldautomat und Kontoauszugsdrucker in erheblichem Maße. Von einer 80%-igen Rückläufigkeit der Kundenfrequenz, wie der Verwaltungsrat der Sparkasse erklärte, ist in Oberwerrn nichts zu spüren.

Kopfzerbrechen bereitet dem benachbarten CSU-Ortsverband Niederwerrn das Parkplatzproblem. Bei einem Besuch der Filiale in Niederwerrn stellt sich die wesentliche Frage nach Parkmöglichkeiten. Weder die Sparkasse noch die Gemeinde stellen genügend Parkplätze zur Verfügung. Bisher genutzt wird die enge Flemingstraße, auf der viele Anwohner parken. Diese Parkplätze, wie auch die eines nebengelegenen Getränkemarktes, eines Arztes und einer Apotheke werden zukünftig wohl auch für eine „schnelle Geldabhebung“ belegt werden. Ärger vorprogrammiert.

Theiss: „Unsere Vorstandschaft hat sich -was auch in einem offenen Brief an Bürgermeisterin Bärmann kundgetan wurde- bereits Lösungsvorschläge überlegt. In einer gemeindlichen Immobilie, in der bereits mehrere Jahre eine Bank ansässig war, könnte man zumindest einen Geldautomaten und einen

Kontoauszugsdrucker aufstellen. Parkplätze für Kurzzeitparker stehen ebenfalls zur Verfügung. Die Räumlichkeiten, die für die Jugend geplant sind, können trotzdem uneingeschränkt genutzt werden, da lediglich, wie in der Vergangenheit auch, das Foyer für die Automaten benötigt wird“.

Die CSU-Ortsverbände Ober- und Niederwerrn führen gemeinsam, für die zumindest Aufrechterhaltung einer Automatenfiliale, bereits eine Unterschriftenaktion durch.

Und sieht man über den Tellerrand hinaus: Automaten einer weiteren Bank könnten installiert werden. Zusammen mit einem finanziellen Entgegenkommen der Gemeinde bei der Höhe der Miete wäre dies ein großartiger Service seitens Bank(en) und Gemeinde gegenüber den Oberwerrner Bürgern/innen. Oder sollten doch Wechsel zu Online-Banken erfolgen?

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