Einzigartiger Schatz findet eine neue Heimat – Neupräsentation der Ikonensammlung Fritz Glöckle in der Kunsthalle

2001 wurde die Glöckle-Ikonenstiftung durch Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser (li.) im Beisein von Fritz und Liselotte Glöckle im Gunner-Wester-Haus eröffnet. Der damalige Leiter der Museen und Galerien, Dr. Erich Schneider, präsentierte ein Exponat aus der Sammlung. Diese zieht nun in die Kunsthalle um. Archivfoto: Wiener

Neupräsentation der Ikonensammlung Fritz Glöckle in der Kunsthalle

Schweinfurt (red). Auf den ersten Blick mag es ungewöhnlich erscheinen, dass eine Sammlung orthodoxer Ikonen heute in einem Museum für zeitgenössische Kunst beheimatet ist. Gerade hierin liegt jedoch ihre besondere Stärke. Die Ikonen spannen einen weiten Bogen durch die Kunstgeschichte vom ausgehenden Mittelalter bis in den Dialog mit der Gegenwart.

Fritz Glöckle (1913-2014) stieß als Soldat im 2. Weltkrieg in Russland erstmals auf diese außergewöhnliche Kunstform und war fasziniert. Nach und nach schaffte der Schweinfurter Bauunternehmer immer mehr dieser beeindruckenden Werke an, die er bis an sein Lebensende 2014 immer erweiterte. Schon 2001 übergab er diesen Schatz an die städtischen Sammlungen, die im Gunnar-Wester-Haus eine dauerhafte Bleibe fanden. Gleichzeitig wurde die Fritz-Glöckle-Kulturstiftung gegründet.

Hintergründen zu den Kunstschaffenden

Heute umfasst die Ikonensammlung Fritz Glöckle über 100 Werke, darunter Christus- und Marienbilder, Festtags- und Heiligenikonen, Kalenderikonen sowie Ikonostasen. Nach 25 Jahren im Gunnar-Wester-Haus präsentieren sich die Ikonen nun im neuen Kontext der Kunsthalle Schweinfurt. Bei zahlreiche Russlandreisen hat Fritz Glöckle nicht nur seine Sammlung erweitert, er hat auch nach den Hintergründen und zu den Kunstschaffenden geforscht.

Im Dialog mit zeitgenössischer Kunst eröffnen nun ausgewählte Ikonen in der Kunsthalle neue Perspektiven auf das Bild als Bedeutungsträger und auf das Verhältnis von Sichtbarem und Unsichtbarem – als vera icon im Spannungsfeld von Gegenwart und Tradition.

Auf Holz gemalte Tafelbilder

Ikonen sind in der orthodoxen Kirche auf Holz gemalte Tafelbilder, die nicht als bloße religiöse Darstellungen verstanden werden. Sie sind oft auch Gegenstand gläubiger Verehrung. Ihre Entstehung gilt als liturgischer Akt. Ikonen werden nicht gemalt, sondern geschrieben, streng nach überlieferten Regeln. Sie vermitteln keine naturalistischen Abbilder, sondern Heilsgeschichte, symbolische Ordnung und geistige Präsenz.

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