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Ein Land im Klopapierrausch

Foto: Redaktion

Es ist ein seltsames Phänomen: Seit Ausbruch des Corona-Virus in Deutschland horten die Deutschen Klopapier. Logische Erklärungen dafür gibt es nicht, zumal es in den viel stärker betroffenen Ländern Italien, Frankreich oder Spanien nicht in dieser Weise vor kommt. Auch in diesem Ländern gibt es Hamsterkäufe, doch die gehen eher in Richtung Genußmittel, wahrscheinlich um sich zuhause eine schöne Zeit zu machen.
Wie der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) mitteilt, bestehe grundsätzlich kein Anlass zu „hamstern“. Zwar könne es durch einen plötzlich starken Zuspruch auf ein unvorhergesehenes Produkt – wie im aktuellen Fall Klopapier – zu vorübergehenden Engpässen kommen, doch mit der nächsten Lieferung werde schon für Nachschub gesorgt. Anders als etwa bei nur begrenzt haltbaren Lebensmitteln, seien Hygieneartikel in der allgemeinen Lieferkette nicht als tägliches Lieferprodukt vorgesehen. Darüber hinaus sorgen heutzutage digitale Echtzeitsysteme automatisch für Nachschub. Der Marktleiter muss also nicht etwa erst auf leere Regale aufmerksam gemacht werden, um dann nachzubestellen. In der Praxis bedeutet das, dass ein häufiger nachgefragtes Produkt dann quasi automatisch nachbestellt wird. Und auch die Klopapierhersteller haben keine Kapazitätsprobleme. Altpapier ist derzeit in großen Mengen vorhanden. Die Maschinen können 24 Stunden Nonstop laufen.

Der Lebensmittelverband Deutschland ruft vielmehr dazu auf, aus Solidarität mit den Mitmenschen auf Hamsterkäufe zu verzichten. Die Bundesregierung hat am 16. März 2020 weitere Einschränkungen und Beschränkungen von sozialen Kontakten im öffentlichen Bereich angesichts der Corona-Epidemie in Deutschland vereinbart. Wichtig: die Lebensmitteleinzelhandelsgeschäfte, Wochenmärkte und Getränkemärkte sind von den Schließungen ebenso wie beispielsweise Apotheken nicht betroffen. Außerdem gibt es keine – wie vereinzelt in den sozialen Netzwerken zu lesen – eingeschränkte Öffnungszeiten. Im Gegenteil, die Einkaufszeiten wurden sogar verlängert und das Sonntagsverkaufsverbot aufgehobenDas heißt, dass die Lebensmittelversorgung in Deutschland sichergestellt ist.

Damit das auch weiterhin der Fall ist und niemand, speziell Bedürftige, die beispielsweise auf eine Mitversorgung durch die Tafeln angewiesen sind, benachteiligt werden, müssen wir alle zusammenhalten. Jeder kann hier seinen Beitrag leisten. Dazu Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands Deutschlands und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie: „Wir können angesichts der Nachrichtenlage verstehen, dass viele Menschen verunsichert sind und lieber zu viel als zu wenig einkaufen. Aber die Einkäufe müssen rational bleiben. Niemand muss sich aktuell für länger als sieben Tage, also einen normalen Wocheneinkauf, mit Lebensmitteln eindecken. Klar, durch Homeoffice und geschlossene Restaurants am Abend steigt der Bedarf in jedem Haushalt. Dennoch bitten wir die Bevölkerung, wirklich genau zu überlegen, wieviel sie wovon brauchen. Denn übersteigerte Einkäufe führen zu zeitweise leeren Regalen bei hoch nachgefragten Produktgruppen. Das führt zu Bildern von leeren Regalen in den sozialen sowie in den klassischen Medien, was wiederum Hamsterkäufe nur noch mehr ankurbelt. Deshalb appelliere ich hier auch noch einmal an die Verantwortung aller, die Situation so darzustellen, wie sie tatsächlich auch ist. Leere Regale werden in der Regel schon am nächsten Tag wieder aufgefüllt. Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebensmittelbranche arbeiten an allen Stellen der Wertschöpfungskette mit Hochdruck daran, dass die Versorgung mit Lebensmitteln auch weiterhin funktioniert. Produktion, Logistik, Verkauf – alles wurde aufs Maximum hochgefahren. Und wenn doch mal ein Betrieb ausfällt wegen Erkrankung der Beschäftigten – was aktuell noch nicht der Fall ist – dann gibt es glücklicherweise andere Hersteller, die die Versorgung gewährleisten. Die Ernährungsindustrie umfasst knapp 6.000 Betriebe! Wir haben 170.000 Produkte in den Läden stehen. Wir haben einen hohen Selbstversorgungsgrad bei den Rohstoffen. Außerdem wird von politischer Seite daran gearbeitet, dass der freie Warenverkehr unseres europäischen Binnenmarkts trotz der Grenzschließungen nicht wesentlich beeinträchtigt wird, so dass auch dieser Teil der Logistik weitestgehend stabil bleiben sollte. Es ist – Stand heute – genug da. Denken Sie also beim Einkaufen auch an Ihre Mitmenschen, vor allem an die Älteren und die Bedürftigen, die auf die Tafeln angewiesen sind.“

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