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Der Box-Weltmeister tritt ab – Direktor vom Schweinfurter Weihnachtscircus

Ein Boxweltmeister tritt ab. Der Direktor vom Schweinfurter Weihnachtscircus, Angelo Frank“ sagt dem Boxring ade. Foto: AJ Fotoart

Schweinfurt (red). Wenn Boxweltmeister Angelo Frank abtritt, dann hat das auch für Schweinfurt eine ganz besondere Bedeutung, denn der Hamburger ist Direktor des Schweinfurter Weihnachtscircus. Bereits seit acht Generationen widmet sich die Familie Frank dieser Tradition. Sie schlägt schon seit über 20 Jahren regelmäßig ihr Zelt um die Weihnachtszeit auf dem Volksfestplatz auf.

Heute steht Angelo Frank als Zirkusdirektor an der Spitze des Familienbetriebs – ein Amt, das er vor einigen Jahren von seinem Vater Sandro übernommen hat. Schweinfurt bezeichnet er inzwischen als seine „zweite Heimat“.

Doch international ist Angelo Frank als erfolgreicher Boxer bekannt. Er  ist nebenberuflich Boxweltmeister nach Version der WBF, der „World Boxing Foundation“. Doch mit inzwischen 36 Jahren will er nun aufhören und der Verband wird ihn dann ehrenhalber zum „Superweltmeister“ küren. „200 Kämpfe sind genug“, sagt er. Seine offizielle Bilanz: 19 Siege, davon 13 durch K.o., und nur zwei Niederlagen.

Jahrhundertealte Familientradition

Was Angelo Frank von anderen Boxern unterscheidet, ist seine Authentizität. Er hat bewiesen, dass man im Profisport bestehen kann, während man gleichzeitig eine jahrhundertealte Familientradition im Zirkus fortführt. Dieser Kontrast – die Stille und Konzentration im Ring gegenüber dem Trubel der Manege – hat ihn mental gestählt. Die sportliche Laufbahn von Angelo Frank begann 2003 im Alter von 14 Jahren. Inspiriert wurde er durch seinen Onkel, Wolfgang Lauenburger, der zu dieser Zeit beim BC 1921 Neunkirchen aktiv war. Lauenburger, selbst mehrfacher Saarland-, NRW- und Südwestdeutscher Meister, vermittelte Frank die Leidenschaft für den Boxsport. Nach einer langjährigen Aufbauphase bestritt Frank am 21. März 2003 seinen ersten Amateurkampf, den er sogleich mit dem Titel des Saarlandmeisters krönte. In seiner Amateurzeit entwickelte sich Frank zu einem der erfolgreichsten deutschen Kämpfer. Seine Bilanz umfasst: 9-facher Bezirksmeister und 7-facher Niedersachsenmeister. Norddeutscher Meister, Deutscher Vizemeister und 4-facher Deutscher Ligameister.

Eine beeindruckende Serie von zwei Jahren ohne Niederlage

Zudem sammelte er internationale Erfahrung in der World Series of Boxing (WSB), für die er unter anderem in Afrika antrat. Am 15. Juli 2015 gab Frank sein Profidebüt im Super-Weltergewicht gegen Enrico Kniesch. Bereits im Dezember desselben Jahres sicherte er sich gegen Denis Krieger den BDB International Titel im Weltergewicht. Diesen verteidigte er im Oktober 2016 medienwirksam in seiner Heimatbasis, dem Circus-Zelt-Europa in Hamburg. Mit dem Gewinn des IBO International Titels im Jahr 2017 gegen Ericles Torres Martin stieg Frank in die Top 15 der Weltrangliste auf und wurde als Herausforderer für Größen wie Manny Pacquiao gehandelt. Die Qualität seiner Vorbereitung sicherte Frank durch die Zusammenarbeit mit Box-Ikonen wie Roy Jones Jr., Juan Carlos Gómez („Black Panther“) und seinem langjährigen Trainer Artur Grigoryan („König Artur“). Unter deren Leitung bereitete er sich auf internationale Aufgaben vor. Im Jahr 2024 folgte der sportliche Zenit: In der legendären Großen Freiheit 36 auf St. Pauli besiegte er Orlen Padilla und wurde WBF-Weltmeister im Mittelgewicht.

Vom Wissen der Besten profitieren

Für die Vorbereitung auf diesen „Kampf seines Lebens“ hatte Angelo das Glück, vom Wissen der Besten zu profitieren: Ulli Wegner und Jürgen Brähmer. Trainer-Legende Ulli Wegnerist bekannt für seine Disziplin und taktische Raffinesse und Jürgen Brähmer ist selbst ehemaliger Weltmeister, der praktische Ring-Erfahrung auf höchstem Niveau einbrachte.

Kurz nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft erhielt Frank ein prestigeträchtiges Angebot von Chris Rügen für einen Kampf gegen Saúl „Canelo“ Álvarez im März 2025 in Riad, Saudi-Arabien. Nach reiflicher Überlegung lehnte Frank diesen Kampf jedoch ab, um seine Prioritäten neu zu setzen. Genau 23 Jahre nach seinem ersten Kampf beendet Angelo Frank nun am 21. März 2026 offiziell seine aktive Boxkarriere.

Dankbarkeit für eine großartige Karriere

Angelo blickt mit großer Dankbarkeit auf seine Karriere zurück, in der er die Ehre hatte, einige der größten Ikonen des Sports persönlich kennenzulernen. Diese Treffen waren für ihn mehr als nur Smalltalk – sie waren Inspiration pur: Mike Tyson, Tyson Fury, Lennox Lewis, Vitali & Wladimir Klitschko, Axel Schulz , Roy Jones Junior, Dariusz „Tiger“ Michalczewski, Artur Grigorian. „Es war mir eine Ehre, von den Besten zu lernen und den Größen des Sports auf Augenhöhe zu begegnen. Diese Momente und die Unterstützung von Ulli und Jürgen sind das Fundament meiner Laufbahn.“ „Mein größter Dank geht jedoch an meine Familie sowie an meinen Amateurtrainer Alexander Waigel und meinen Mentor Stephan Lang. Ohne sie wäre es mir nicht möglich gewesen, meine Boxkarriere zu verwirklichen. Dafür danke ich euch von ganzem Herzen“, schreibt ein gerührter Angelo Frank.

Und er fährt fort: „Ein besonderer Dank gilt meinem Zirkus-Kollegen und engen Freund Gerd Richter. Lieber Gerd, danke, dass du mich seit meiner Amateurzeit sowohl sportlich als auch als treuer Boxfan über all die Jahre hinweg begleitet hast. Deine Unterstützung bedeutet mir viel!“ – Angelo.

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