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Der Box-Champion in der Manege

Circusdirektor Angelo Frank mit seiner Frau Nathalie Frank (Bildmitte) mit Stadtgalerie-Manager Alexander Kuckshaus (2. v. li.), Organisator Manfred Geiling (re.) mit Tänzerinnen vom I-m Art Showballett der Dance Akademie von Nathalina Maldonado (li.).

Acht Generationen Zirkustradition

Die Menschen mit Kunststücken zu erfreuen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, ist so alt wie die Menschheit selbst. Seit bereits acht Generationen widmet sich die Familie Frank dieser Tradition. Heute steht Angelo Frank als Zirkusdirektor an der Spitze des Familienbetriebs – ein Amt, das er vor einigen Jahren von seinem Vater Sandro übernommen hat.

Schweinfurt bezeichnet er inzwischen als seine „zweite Heimat“. Alles sei hier etwas beschaulicher und weniger hektisch als in Großstädten, sagt er. Geboren in Hamburg und aufgewachsen in Niedersachsen, bleibt der Familienstammsitz weiterhin in Bergen zwischen Hamburg und Hannover. Dass der Auftritt in Schweinfurt der einzige in diesem Jahr ist, unterstreicht die besondere Verbundenheit der Familie mit der Stadt.

Im Sommer war die Familie in Hamburg mit einer Dinosaurier-Show und dem Betrieb eines Trampolinparks beschäftigt. „Auf das Winterlager hier in Schweinfurt haben sich aber alle wieder gefreut“, erzählt Angelo, der gemeinsam mit seiner Frau Nathalie und der jüngsten Tochter Kelly einen komfortablen Wohnwagen auf dem Volksfestplatz bewohnt. Die beiden älteren Söhne Louis und Jordan-Evender haben ebenso ihren eigenen Wohnwagen wie Vater Sandro und Mutter Natascha.

Der Zirkusdirektor als Boxweltmeister

Zum Ensemble gehört auch ein Trainingswohnwagen, denn Angelo ist nebenberuflich Boxweltmeister nach Version der WBF, der „World Boxing Foundation“. Mit inzwischen 36 Jahren denkt er jedoch darüber nach, die Handschuhe bald an den Nagel zu hängen. Der Verband wird ihn dann ehrenhalber zum „Superweltmeister“ küren. „200 Kämpfe sind genug“, sagt er.

Seine offizielle Bilanz: 19 Siege, davon 13 durch K.o., und nur zwei Niederlagen. In einer kleinen Aservatenkammer bewahrt er Erinnerungsstücke seiner Boxkarriere auf – darunter die originalen Handschuhe mit Signatur von Schwergewichtsweltmeister Lennox Lewis, ein Geschenk eines Freundes. Auch Begegnungen mit Mike Tyson oder Roy Jones Jr. machen ihn stolz. Das Prunkstück ist natürlich sein eigener Weltmeistergürtel, sorgfältig in einem Spezialkoffer aufbewahrt.

Trainiert hat Angelo häufig im berühmten Hamburger Boxkeller der „Ritze“. Die stickige Luft dort erwies sich später als Vorteil: „Beim Titelkampf war der Sauerstoff genauso dünn“, erzählt er lachend. Trainerlegende Ulli Wegner erkannte früh Angelos Talent, der sich im Boxring lange wohler fühlte als in der Manege. Auch sein Onkel Wolfgang Lauenburg war erfolgreicher Boxer, Onkel Bill Frank zweifacher Vize-Weltmeister im Arm-Wrestling und Vater Sandro Frank mehrfacher deutscher Meister im Arm-Wrestling – an ihnen orientierte sich Angelo. Gleich bei seinem ersten Boxkampf gewann er die Saarland-Meisterschaft.

Familie, Zusammenhalt und Tierliebe

Trotz der Leidenschaft fürs Boxen war der Zirkus stets sein Zuhause. „Der Zusammenhalt der Familie, die Freude, die man verbreiten kann – das ist einfach unglaublich“, sagt Frank. Auch die Arbeit mit Tieren hatte für ihn stets eine besondere Bedeutung. „Wir sind die größten Tierschützer überhaupt“, betont er. „Unsere Tiere sind wie Familienmitglieder.“

Umso mehr schmerzt es ihn, wenn die Branche pauschal mit Vorwürfen der Tierquälerei konfrontiert wird. Zugleich hat sich der Zirkus gewandelt: Heute stehen weniger Tierdressuren im Mittelpunkt – ein Wandel, der mit der Zeit und dem Publikumsgeschmack einherging. Tiere wie Papageien oder Hunde gehören aber weiterhin zum Programm. Das Grundgerüst einer klassischen Zirkusshow bleibt bestehen, denn „das wollen die Leute sehen“, sagt der Circusdirektor. Gleichzeitig sorgen wechselnde Artisten für frische Impulse, damit vor allem Stammgäste erleben können, wie unterschiedlich Nummern interpretiert werden können.

Vom Circus Carl Busch zum Schweinfurter Weihnachtscircus

Auch der Name des Zirkus hat sich gewandelt: 2004 war der „Weihnachtscircus“ noch Untertitel des Circus Carl Busch, der ebenfalls zur Verwandtschaft gehört. Heute wird dieser Circus hauptsächlich von Tante und Cousins geführt und hat sein Winterquartier in Frankfurt. Die Familie Frank tritt in Schweinfurt inzwischen ausschließlich unter dem Namen „Weihnachtscircus“ auf – jedes Jahr mit neuen Artisten und Showgruppen.

Ein Fixpunkt bleibt die beliebte It-Dance-Showgruppe aus Schweinfurt, die vom Publikum jedes Jahr wieder gefordert wird. Auch Nathalie Frank begeistert regelmäßig mit ihrem eigenen Showprogramm. Die Vorbereitungen für die Zukunft laufen bereits: Die ersten Verträge für die Auftritte 2028/29 sind schon aufgesetzt. „Wer die besten Artisten verpflichten will, muss bald dran sein“, sagt Angelo Frank abschließend.

34 Vorstellungen voller Vorfreude

Die Besucher dürfen sich zunächst erneut auf ein abwechslungsreiches Programm für die Darbietungen 2025/26 freuen. Insgesamt 34 Vorstellungen stehen vom 19. Dezember bis 6. Januar auf dem Volksfestplatz auf dem Plan.

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