Schweinfurt – Oliver Schulte, Geschäftsführer von „next level“, tritt bei den Kommunalwahlen am 8. März als Oberbürgermeisterkandidat für die CSU an. Im Gespräch mit der Redaktion schilderte der 45-Jährige seine Vorstellungen für die Zukunft Schweinfurts – mit einem klaren Fokus auf Infrastruktur, Bildung und Mobilität.
„Das hatte ich bestimmt nicht in meiner Lebensplanung“, sagt der Kandidat auf die Frage nach seiner Motivation. Und so war er auch einigermaßen überrascht, bei der Parteiinternen Abstimmung als Nachfolgekandidat für Sebastian Remelé hervorgegangen zu sein. Nun wolle er eng mit dem unterlegenen Kandidaten Florian Dittert zusammenarbeiten, der ihm – so wie er es umgekehrt auch getan hätte – seine volle Unterstützung zugesagt hat. Seine kommunalpolitische Erfahrung bezieht Schulte aus seinem seit 2007 währenden Stadtratsmandat. Er war damals als Mitglied der Jungen Union für die überraschend verstorbene Gertrud Akinlaya nachgerückt. Gerade erst einmal 25-jährig übernahm er dann auch gleich deren Posten im Seniorenbeirat. Mit Sebastian Remelé verbindet ihn schon seit 2000 eine Freundschaft als beide in den Förderverein der Rathenau-Schulen gewählt wurden. Für ihn stand er auch bei dessen OB-Wahl 2010 im Wahlkampfausschuss.
hervorragendes Netzwerk
Nun hieß es aus dem Freundeskreis „Das musst Du jetzt machen“. Das traf den Kandidaten recht unvorbereitet, der erst im Vorjahr mit zwei Medizinern eine Firma für Kreuzbanddiagnostik gegründet hatte. Doch nun will er sich mit voller Kraft der Herausforderung stellen. Er sieht in der engen Zusammenarbeit mit der Landtagsabgeordneten Martina Gießübel und der Bundestagsabgeordneten Anja Weisgerber ein hervorragendes Netzwerk, um auf allen politischen Ebenen schnellen Zugang zu haben. Mit dem erfahrenen Fraktionsvorsitzenden und Bezirkstagspräsidenten Stefan Funk bilde man eine richtige politische Familie. Doch dieses Netzwerk gehe noch sehr viel weiter. Die Betriebsratsvorsitzenden der Großindustrie gehören ebenso dazu wie Personen aus der Konzernspitze, die er noch aus seinen Schulzeiten kennt. „Ich habe Schweinfurt noch nie verlassen und viele Personen aus meinem Abiturjahrgang bekleiden heute führende Positionen“. Trotz der Sorgen um Industriearbeitsplätze dürfe aber auch der Mittelstand nicht vergessen werden, gibt Schulte zu Bedenken. „In Summe bietet der Mittelstand mehr Arbeitsplätze, als alle Industriebetriebe zusammen“. Er erinnert beispielsweise an eine sechs-Mio-Euro Investition von Maincor, die medial kaum Beachtung fand, aber ein echtes bekenntnis zum Standort sei. Er fordert deshalb auch eine „Kultur der positiven Nachrichten“. Zu viel werde schlecht geredet und mit üppigen Berichterstattungen über Leerstände sei niemandem geholfen.
durchaus zu Investitionen bereit
So sei auch kaum bekannt, dass die Commerz-Real als Eigentümerin der Stadtgalerie nun durchaus zu Investitionen bereit sei, um die dahindarbende Stadtgalerie wieder auf Vordermann zu bringen. Aber auch kleine Geschäftseröffnungen gebe es immer wieder und der Mit und die Zuversicht der kleinen Unternehmen verdiene mehr Anerkennung. „Das Einkaufen in der Innenstadt funktioniert nur, wenn die Menschen einen Mehrwert gegenüber dem Online-Einkauf erkennen“, richtet er einen Appell an den Einzelhandel, mehr Einkaufserlebnisse zu schaffen. Flankiert werden solche Bemühungen durch Sicherheit und Sauberkeit, was wiederum die Stadt zu leisten habe. Leider werden gefühlte und reale Sicherheit nich gleichmäßig empfunden, bedauert der OB-Kandidat, denn die teilweise tatsächliche übergriffige Innenstadt-Situation werde inzwischen wieder gut beherrscht. Leider sei der Datenschutz in manchen Bereichen viel zu streng ausgelegt, sodass die von Schulte favorisierten Überwachungskameras nicht in gebotenem Umfang installiert werden können.
Bei der Entwicklung des Ledward-Geländes freut sich der OB-Kandidat auf weitere Ansiedlungen der THWS. Grundsätzlich sähe er hier den Fokus gerne mehr auf Schweinfurt gerichtet, sie hatte schließlich auch hier ihren Ursprung mit dem Polytechnikum. Ginge es nach Schulte hätten alle neuen Studiengänge ausschließlich in Schweinfurt stattzufinden. Würzburg habe eine Uni und das Fachhochulwesen gar nicht in dem Maße nötig wie Schweinfurt, das hier eine bessere Zukunft habe. Im Zuge dessen würde auch mehr studentisches Leben in Schweinfurt einziehen und die Innenstadt beleben. Mit den neuen Gebäuden der HWK mitsamt Fahrzeugakademie könnten sich Handwerk und Fachhochschule gegenseitig befruchten. Zentrum dieses riesigen Bildungsareals könnte ein kleiner Erholungspark werden. Für großzügige Grünflächen sei das Stadtgebiet einfach zu klein, gibt sich Schulte realistisch. Ziel müsse es daher sein, bei Neubebauung zwischen den Objekten mehr Grünflächen zu schaffen. Auch sogenannte „Hitzeinseln“ seien vielerots machbar. Bei kleiner Stadtfläche müsse immer auch über höhere Gebäude nachgedacht werden.
Planungsbüro muss aktuell drei Varianten untersuchen
In der Maxbrückenfrage mag sich der Kandidat nicht festlegen und er konstatiert, dass eine Lösung mit dem geringsten Schaden für die Innenstadt gefunden werden muss – auch wenn diese nicht die preiswerteste ist. Ein Planungsbüro muss aktuell drei Varianten untersuchen, wovon eine immer noch die ungeliebte mit Abriss und Neubau an gleicher Stelle ist. Immerhin würde dabei für Fußgänger und Radfahrer ein Notbehelf über den Main für die über zweijährige Bauzeit geschaffen. Schulte hofft aber auf die Möglichkeit einer Realisierung schräg von den Wehrnalagen zu den Johannitern mit Anbildung an den Rummert-Ring an der Alten Bahnhofsstraße.
Die neue Routenführung und das Bezahlsystem der Stadtbusse verteidigt Schulte nachhaltig. Schon immer hätten Änderungen den Menschen zunächst Zumutungen verschafft. Die Busfahrer haben sich inzwischen mit dem System arrangiert und sprachen sich zuletzt mehrheitlich dafür aus. Und beim neuen Bezahlsystem habe es immer auch sehr viel Zuspruch gegeben. Alten menschen pauschal zu unterstellen, sie könnten nicht mit einem Smartphone umgehen hält er sogar fast für „altersdiskriminierend“.

