Aus der Region, Nachrichten

COVID-19: Kraftakt für Zahnärzte

Dr. Dr Manfred Nilius, Bildquelle: Praxisklinik Nilius

Wie sich das Virus auf den Praxisalltag auswirkt

Weltweit steigt die Zahl von COVID-19-Erkrankten. Um die Infektionsrate
einzudämmen, wurden Menschenansammlungen mit mehr als zwei Personen von
der Bundesregierung untersagt. Insbesondere Zahnarztpraxen sind von den
neuen Anordnungen betroffen und müssen ihren Arbeitsalltag stark
umstrukturieren. Doch wie gewährleisten Ärzte auch weiterhin die medizinische
Versorgung ihrer Patienten? Drei Zahnärzte geben Aufschluss.

Vorsicht besser als Nachsicht

Dr. Christoph Sliwowski, Leiter der Zahnimplantat-Klinik Düsseldorf im St.
Vinzenz-Krankenhaus: „Aufgrund der aktuellen Lage sagen viele Patienten ihre Termine ab.
Professionelle Zahnreinigungen verlegen wir bis auf Weiteres. Alle medizinisch
notwendigen Behandlungen führen wir allerdings weiterhin wie geplant durch.
Dabei achten wir besonders darauf, dass sich die Patienten in der Praxis nicht
begegnen. Organisatorisch stellt das einen Kraftakt dar, jedoch liegt uns die
Sicherheit unserer Patienten und Mitarbeiter sehr am Herzen. Um keine Viren zu
verbreiten, liegen in den Wartezimmern außerdem keine Zeitschriften mehr aus
und auch Getränke erhalten Besucher nur noch in einzeln verpackten
Einmalbechern. Da in der Praxis viele Menschen ein- und ausgehen, desinfizieren
wir noch mehr als sonst und tragen den ganzen Tag Mundschutz. Zum Glück
haben wir derzeit noch genug Masken und Desinfektionsmittel auf Lager. Darüber
hinaus hängen Hygienehinweise der Zahnärztekammer in den Räumlichkeiten
aus. Wir sind gespannt, wie sich die Situation weiterentwickelt.“

Portrait von Dr. Christoph Sliwowski. Bildquelle: Zahnimplantat-Klinik Düsseldorf

Ohne Zahnarzt geht es nicht

Dr. Lutz Spanka, Master of Science für Implantologie und Dentalchirurgie
sowie Kieferorthopädie im ZahnZentrum NordWest in Hude: „Zahnärzte gelten als die meistfrequentierten Ärzte in Deutschland und durch den engen Kontakt zu Patienten gab es für Zahnarztpraxen auch schon vor COVID- 19 strenge vom Gesetzgeber und dem Robert-Koch-Institut erlassene Hygienerichtlinien. Da die medizinische Versorgung gefährdet wäre, können wir den Betrieb nicht einfach einstellen. Im Gegensatz zu Routineuntersuchungen2/2 sind viele Zahnbehandlungen nicht ohne weiteres aufschiebbar. Mithilfe verschiedener organisatorischer und zusätzlicher hygienischer Maßnahmen grenzen wir jedoch die Verbreitung der Viren und die Ansteckungsgefahr für Patienten, Mitarbeiter und die Allgemeinheit ein. In unserer Praxis arbeiten wir beispielsweise ausschließlich mit Plexiglasvisieren und speziellen Schutzmasken. Darüber hinaus reduzieren wir die Anzahl der täglichen Termine. Unsere Mitarbeiter arbeiten im Schichtsystem sowohl räumlich als auch zeitlich getrennt voneinander, damit im Falle eines Infekts nicht die gesamte Praxis schließen muss. Bei Hochrisikogruppen entscheiden unsere Ärzte und Anästhesisten im Einzelfall, ob wir eine Behandlung durchführen oder den Termin verschieben müssen.“

Dr. Lutz Spanka. Bildquelle: Michael Stephan ZahnZentrum NordWest

Zum Wohle der Patienten

Dr. Dr. Manfred Nilius, M. Sc., Facharzt für Mund-, Kiefer- und plastische
Gesichtschirurgie und Leiter der Praxisklinik Nilius in Dortmund: „Derzeit haben natürlich auch wir als zahnmedizinische Praxisklinik mit COVID-19 zu kämpfen. Das äußert sich besonders in der Unsicherheit unserer Patienten. So erreichen uns deutlich häufiger telefonische Anfragen, ob ein geplanter Termin bestehen bleibt oder verschoben werden muss. Allerdings bemerken wir auch einen erheblichen Anstieg an Behandlungen, da umliegende Praxen aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen geschlossen bleiben. Trotz steigender Belastung arbeiten wir nach den vorgeschriebenen Richtlinien und fragen vor jedem Praxisbesuch nach möglichen COVID-19-Symptomen sowie der Einreise aus Risikogebieten. Da uns das Wohl unserer Patienten sowie Angestellten am Herzen liegt, finden in der Kieferchirurgie aktuell jedoch nur dringend notwendige und bereits geplante Eingriffe statt. Alle Maßnahmen im ästhetischen und prophylaktischen Bereich werden verschoben.“

Kommentare sind geschlossen