Brücken bauen im Sinne des Wortes – Gestalten und gut verwalten – OB-Kandidat Axel Schöll im Interview: „Lösungsorientiertes Arbeiten – nicht Parteiproporz“

Axel Schöll. Privatfoto

Brücken bauen im Sinne des Wortes

Gestalten und gut verwalten – OB-Kandidat Axel Schöll im Interview „Lösungsorientiertes Arbeiten – nicht Parteiproporz“:

Axel Schöll kennt Schweinfurt wie kaum ein anderer. Als Inhaber eines der letzten inhabergeführten Schuhgeschäfte in der Innenstadt und Vorsitzender des lokalen Einzelhandelsverbands hat er die Entwicklungen in seiner Heimatstadt aus nächster Nähe erlebt – mit allen Höhen und Tiefen. Nun will der 53-jährige für das Amt des Oberbürgermeisters neue Impulse setzen: mit pragmatischem Denken, klaren Vorstellungen und einem Blick für die Realität vor Ort.

Innenstadt im Wandel – und im Zentrum seiner Pläne

„Die Innenstadt ist das Herz der Stadt – und sie muss wieder als solches funktionieren“, sagt Schöll mit Nachdruck. Für ihn steht fest: Schweinfurt braucht einen neuen, ganzheitlichen Plan für die Innenstadt. Einen, der Handel, Wohnen, medizinische Versorgung, Gastronomie, Events und studentisches Leben zusammen denkt. Einen, der nicht nur verwaltet, sondern gestaltet.

„Die Bürgerinnen und Bürger sind keine Bittsteller – und die Händler auch nicht“, so Schöll. Statt auf Verbote und Vorschriften zu setzen, will er Hürden abbauen. Gerade im Umgang mit Leerständen sieht er Nachholbedarf. Eigentümer seien oft Erbengemeinschaften, die sich nur schwer bewegen lassen – aber auch kreative Konzepte oder Bauvorhaben würden durch rechtliche Bedenken zu oft blockiert. Hier müsse die Stadt aktiver werden, Prozesse vereinfachen, Spielräume nutzen und Perspektiven aufzeigen.

Maxbrücke: Ersatz vor Abriss

Ein zentrales Infrastrukturthema ist der Neubau der Maxbrücke – eine Aufgabe, die laut Schöll mit der nötigen Entschlossenheit angegangen werden muss. Für ihn ist klar: „Ein Abriss ohne gleichzeitigen Ersatz darf es nicht geben.“ Zwei Jahre Umleitung seien keine Option – weder für den Einzelhandel noch für die alltägliche Versorgung der Menschen. Die größte Hürde sei dabei nicht der Naturschutz, sondern die komplizierte Abstimmung mit der Bahn wegen der Bahntrasse. „Hier müsste sich der OB einbringen, doch das passiert bislang nicht“, kritisiert Schöll und verweist auf eigene Gespräche und Entwürfe, die er bereits vorgelegt habe. Es sei ein Unding, dass sich Privatpersonen und Geschäftstreibende um Arbeiten kümmern müssen, die eigentlich die Stadt, bzw. die zuständigen Referatsleiter erledigen müssten. Nun werde man die Neubewertung unabhängiger Sachverständiger verfolgen. Sollte diese keine Alternative hervorbringen, müsse auch ein Bürgerbegehren in Erwägung gezogen werden.

Stadtentwicklung mit Weitblick – nicht in Schubladen

Mit Blick auf die geplante Umnutzung der Stadtgalerie zeigt sich Schöll kritisch. Unabhängig davon, dass er diese Einrichtung schon von Beginn an abgelehnt hat und sich die damals schon skizzierten Szenarien bewahrheitet haben, sieht er die Idee, dort u.a. medizinische Versorgung anzubieten, als kritisch: „Es wird kaum kassenärztliche Zulassungen geben. Und wenn, dann nur, indem man bestehende Angebote in der Innenstadt oder in der Peripherie gefährdet.“ Statt weniger Einzelhandelsflächen mit medizinischen Konzepten zu „füllen“, wünscht sich Schöll ergänzende Alternativen wie z.B. ein Hotel, Verantaltungshalle, Indoorcartbahn und Gastro vor allem für Junge – immer innerhalb eines durchdachten Innenstadtkonzeptes, bevor über Einzellösungen entschieden wird.

Vielfalt als Chance – aber mit Verantwortung

Auch das Thema Integration spielt für Schöll eine wichtige Rolle. Schweinfurt sei eine Stadt mit hoher Migrationsquote – doch Integration ist kein Selbstläufer. „Herkunft muss niemand aufgeben, aber ohne Sprache wird es oft schwierig“, sagt der OB-Kandidat. Sprache sei der Schlüssel zur Teilhabe, in Bildung, Beruf und Gesellschaft. Es gebe viele Menschen mit Migrationshintergrund, die längst zu Schweinfurt gehören. Der entscheidende Faktor sei aber: „Der Wille zur Integration muss da sein, dann wird sich auch das oft subjektive Unsicherheitsgefühl vieler Bürger und Kunden mit der Zeit hoffentlich minimieren lassen.

Bildung, Studierende und die Zukunft der Stadt

Das studentische Leben in Schweinfurt liegt Schöll besonders am Herzen. Das Potenzial sei da, aber ungenutzt. „Nur ein kleiner Teil der Studierenden lebt wirklich hier, der Rest pendelt. Es fehlt an Wohnraum, an Angeboten, an einem studentischen Flair.“ Für ihn ist klar: Die Stadt muss aktiver auf junge Menschen zugehen, auch auf internationale Studierende. „Wenn wir es schaffen, dass sie sich hier wohlfühlen, bleiben sie vielleicht – und gründen hier Unternehmen. Das ist moderne Internationalität.“

Mobilität und Struktur – mit Augenmaß modernisieren

In Sachen Verkehr und Mobilität setzt Schöll auf einen ausgewogenen Mix: „Die Radwege müssen erhalten, der ÖPNV optimiert, aber auch die bestehenden Parkhausstrukturen erhalten bleiben und der PKW Individualverkehr für Besucher und Anwohner nicht weiter beschnitten werden.“ Der Umbau des Stadtbus-Systems sei grundsätzlich richtig gewesen, aber „es wurde einfach mit Bezahlsystem, Haltestellen und NVM zu viel auf einmal gemacht, das hat manche Bürger überfordert, weil sie hier nicht wirklich mitgenommen wurden“. Für ihn ist Mobilität kein ideologisches, sondern ein praktisches Thema.

Wirtschaft fördern, nicht ausbremsen

Schöll mahnt auch ein besseres Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge an. Höhere Löhne müssten durch höhere Leistung erwirtschaftet werden – nicht per politischem Beschluss. „Der Mindestlohn ist seit seiner Einführung um 70 Prozent gestiegen, die Wirtschaftsleistung aber nicht entsprechend.“ Tarifautonomie müsse respektiert, wirtschaftliche Grundlagen gesichert bleiben. Dies gelte auch für die Schweinfurter Industrie, die auch künftig der Gradmesser für den Wohlstand in der Region sein wird.

Führungsstil: Vertrauen, nicht Kontrolle

Zum Schluss spricht Schöll über seinen Führungsstil: „Ein Chef muss nicht alles wissen – aber er muss seinen Leuten vertrauen können indem man viel kommuniziert und motiviert.“ Er fordert mehr Kollegialität und Verantwortung – weniger Hierarchie, mehr Teamgeist. Als positives Beispiel nennt er die ehemalige OB Gudrun Grieser: „Sie hat klar gearbeitet und damit vieles für Schweinfurt bewegt, auch wenn ich mit ihr bezüglich der Stadtgalerie im Clinch lag.“

Fazit: Weniger Partei, mehr Pragmatismus

Axel Schöll will mit unternehmerischem Denken & Handeln und einem offenen Ohr für die Menschen punkten. Seine Maxime: lösungsorientiertes Arbeiten statt Parteiproporz. „Ich will gestalten – nicht nur verwalten.“ Schweinfurt, sagt er, habe enormes Potenzial. Jetzt gehe es darum, es endlich zu nutzen.

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